Ballett-Neuordnung in Wien

Der neue Ballettdirektor Gyula Harangozó und die Neuordnung der Ballettensembles an den beiden Bundestheatern wurde in einer Pressekonferenz vorgestellt.

„Ballett der Wiener Staatsoper und Volksoper“ ist der Name der neuen Compagnie, die aus den bisher getrennten Ballettensembles an der Wiener Staatsoper bzw. an der Volksoper ab der Spielzeit 2005/06 hervorgehen wird. Damit wird eine neue künstlerisch und finanziell autonome Organisationsstruktur für das Ballett geschaffen. Das bringt dem Ballett insgesamt 90 Vorstellungen in beiden Häusern und drei bis vier Neuproduktionen im Jahr. Daneben kommen die Tänzer wie bisher in Opern-, Operetten- und Musicaleinlagen an beiden Häusern zum Einsatz (an beiden Häusern insgesamt über 200 Abende im Jahr). Trotzdem soll die neue Struktur Einsparungen im Personal- und Sachaufwand mit sich bringen. Es ist damit zur rechnen, dass die derzeitige Mitgliederzahl von insgesamt etwa 105 Tänzern reduziert wird.
Der neuen Direktion untersteht auch die Ballettschule, und das Ballettbudget der Saison 2005/06 wird auf Basis der Ist-Kosten der letzten Jahre für beide Ballettcompagnien und die Schule errechnet.
Mit Gyula Harangozó wurde ein Mann mit der Ballettdirektion betraut, der als derzeitiger Direktor des Ungarischen Nationalballetts über eine zehnjährige Erfahrung mit ähnlichen Strukturen verfügt. Neben der Staatsoper Budapest wird auch das kleinere Erkel-Theater bespielt und ebenfalls in Operneinlagen getanzt. Das Ungarische Nationalballett hat etwa 120 Tänzer. Harangozó, mit dem erst Anfang August dieses Jahres Gespräche aufgenommen wurden, sprach angesichts der Neuordnung des Balletts in Wien von einer „Revolution“. Doch da er im letzten Jahr weder das Staats- noch das Volksopernballett beobachtet hat, wollte er weder etwas über seine künftige Spielplanpolitik noch die Tänzerwahl bekannt geben. Im ersten Jahr seines Dreijahresvertrages werde er sich auf die Strukturveränderungen konzentrieren müssen und sich die Schule genauer anschauen, „aus der ja nicht viel herauskommt, wie ich höre“. Im zweiten Jahr wird es - „sofern notwendig“ - Veränderungen in der Schule geben. Konkreter wurde er nur in Hinblick auf die vielfältigen Aufgaben der neuen Compagnie. Daher plant er, dass er ähnlich wie in Ungarn auch das Ballett in Wien in eine Compagnie, die hauptsächlich in Opern-, Operetten- und Musicaleinalgen tanzt, und eine Ensemble, das nur in Balletten eingesetzt wird, teilen wird.
Aber wie das meiste, das bei der Pressekonferenz an diesem Vormittag gesagt wurde, ist auch das noch sehr unbestimmt. Entschieden scheint, dass die erste Premiere des neuen Ensembles in der Volksoper stattfinden wird, was „die Volksoper mit Freude erfüllt“, wie Direktor Rudolf Berger sagte.
Ioan Holender, Chef der Wiener Staatsoper, streute dem scheidenden Ballettdirektor Renato Zanella Rosen, meinte aber, dass „es nach zehn sehr guten Jahren“ Zeit für eine Veränderung auf beiden Seiten sei. „Gyula Harangozó ist der vierte und mit Sicherheit der letzte Ballettdirektor in meiner Amtszeit.“ Schwerpunkt des neuen Ensembles bleibt klassisches Ballett und der neue Ballettdirektor wird auch darauf Rücksicht nehmen müssen, dass die Kassen gefüllt werden.
Die Organisationsstruktur des Balletts der Wiener Staatsoper und Volksoper wird zur Zeit von Heinz-Dieter Sense ausgearbeitet, der auch bei der Zusammenlegung der Berliner Ballettensembles beteiligt war. Sense, der in Presseberichten der letzten Tage als Kaufmännischer Leiter des Balletts gehandelt wurde und bei der Pressekonferenz nicht anwesend war, wird seinen Vorschlag bis Ende dieses Jahres vorlegen.

Infos zum Thema:
http://derStandard.at
http://www.diepresse.com

Edith M. Wolf Perez

Submit am 27.09.2004

 

Online am Dienstag 27.09.2004

 

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