Sie prägt den Tanz in Innsbruck: Dagmar Kostolnikova

Zum Saisonende brachte die Tänzerin ihr erstes abendfüllendes Stück heraus

Das Saisonfinale am Tiroler Landestheater stand heuer im Zeichen einer Künstlerin, die das Tanztheater des Hauses seit dreizehn Jahren prägt: Dagmar Kostolnikova, die nach einer Reihe erfolgreicher Kurzstücke mit ihrer jüngsten Choreografie „Dieser Hunger nach Leben“ nach dem gleichnamigen Kultroman von Béatrice Saubin ihr erstes abendfüllendes Tanzstück schuf. Schade, dass ihr dafür nur die Kammerspiele und nicht das Große Haus zur Verfügung standen, denn da konnte sie eine ihrer größten Stärken nicht voll ausspielen: ihre glückliche Hand für die Gruppe, ihr Gefühl für den Raum und große Ensembleszenen. Großartige, ritualhaft angelegte Bilder wie jenes schwarzweiße mit Kindern als hilflose und unschuldige Marionetten einer gewaltgeprägten Erwachsenenwelt oder der Auftritt der Häftlinge konnten sich auf der schmalen Kanmmerspiele-Bühne nur bedingt entfalten. Kostolnikova setzt die Geschichte einer jungen Französin, die wegen Drogenbesitzes in Malaysia zunächst zum Tod durch Erhängen, schließlich zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt wird, in einer narrativen, flüssigen Bewegungssprache um. Ihr Versuch, dem mittlerweile stilistisch von TLT-Leiter Jochen Ulrich fest geformten Ensemble eine etwas abweichende Tanzsprache aufzuerlegen, gelang nur teilweise. Chisztina Pásztory bestach dabei durch tänzerische Vituosität, Daniela Indrizzi durch intensive Darstellung genauso wie Irene Bauer, die als „Béatrice“ deren Hunger nach Leben glaubhaft vermittelte. Die Choreografin verzichtet weitgehend auf Pantomime, sondern stellt den TänzerInnen zwei Schauspielerinnen (Judith Keller, Eleonore Bürcher) an die Seite, die als „Béatrice“ und „Großmutter“ für Klarheit und starke Akzente sorgen. Leider fehlt dem von Kostolnikova selbst etwas umständlich zusammengestellten Text der dramaturgische Schliff. Sehr gelungen dagegen die Musikkollage ( u.a.David Shea, Pink Floyd, Tambours Dubronx, Peter Gabriel..). Ein Stück, das auffallend viel jugendliches Publikum ins Theater zog und auf Wiederaufnahme wartet. Als Tänzerin setzte Dagmar Kostolnikova nach ihrer Ausbildung in Bratislava zum Sprung zur großen internationalen Karriere an, doch als sie 1991 von Eva-Maria Lerchenberg-Thöny nach Innsbruck geholt wurde, ließ sie Tirol nicht mehr los, souverän managt sie da heute Theater- und Familienleben. Flexibilität und künstlerische Reife bewies sie unter allen Innsbrucker Theater- und Tanzchefs, unvergessen sind ihre Leistungen etwa in Lerchenberg-Thönys „Weibsteufel“, als „Zarin“, „ Lady Capulet“ und „Maria Callas“ in den Ulrich-Balletten „Diaghilev“, „Romeo und Julia“ und „Callas-la traviata“ oder im Vorjahr als „Lady Macbeth“ in der Choreografie von Mei Hong Lin.

Bildnachweis:
Magazin: Dagmar Kostolnikova in "Dieser Hunger nach Leben"
Startseite: Dagmar Kostolnikova in "Macbeth"

Andrea Hein

Submit am 13.08.2004

 

Online am Dienstag 13.08.2004

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