In Erinnerung an Erich Racek
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Ein guter Freund und stiller Förderer der Wiener Tanzszene ist
am 8. Juni 2004 am Ottakringer Friedhof begraben worden. Der Senatspräsident
des Obersten Gerichtshofes i.R., Dr. Erich Racek verstarb am 23. Mai im
Alter von 83 Jahren.
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Nachdem Dr. Racek eine der erfolgreichsten Karrieren im Justizwesen
dieses Landes gemacht hatte, wandte er sich der Fotografie zu. Neben Mode
und Musicals galt seine besondere Aufmerksamkeit und Leidenschaft dem
zeitgenössischen Tanz.
Seit Beginn der Publikation tanz Affiche war er dabei und hat mit seinen
Fotos die Entwicklung der Wiener Tanzszene portraitiert, dokumentiert
und manchmal auch dekodiert. Jahrelang konnten wir unseren Lesern zu jeder
Kritik mindestens ein Originalfoto der jeweiligen Aufführung bieten.
Großzügig wie er war, wurde der Fotograf zu einem Förderer
vieler junger Gruppen, die von ihm die Fotos unentgeltlich bekamen, die
er auch uns zur Publikation in der Tanzzeitschrift zur Verfügung
gestellt hat.
An vielen Abenden war er Gast im dietheater Künstlerhaus, im Theater
des Augenblicks, in der Szene Wien und anderen Theatern. Selten ließ
er eine Vorstellung aus da mussten sich schon die Termine hoffnungslos
überschneiden, um Lücken in dieser jahrelangen Dokumentation
zu hinterlassen.
Erich Racek symbolisierte die Aufbruchsstimmung, die der Tanz in die Gesellschaft
der 80er und 90er Jahre brachte - eine Kunst, die sich für neue Ideen
und neue Formen geöffnet hat und ein neues Publikum gewonnen hat.
Erich Racek ist konsequent seiner Neugier und seiner Liebe zur Kunst und
zur Bewegung gefolgt. Manche Fotoserien, die wir aufgrund von Platzmangel
nicht publizieren konnten, sind echte Bewegungsstudien über den Verlauf
einer Performance. Sein Interesse und die Faszination für die Kunst
hat sich übrigens auch in einer umfangreichen Kunstsammlung niedergeschlagen.
Im neuen Tanz tat sich ein unendliches Feld für seine Endeckungsreisen
auf.
Oft kam Erich Racek mit Koffern voller Fotos in die Redaktion, die wir
in stundenlangen Auswahlsitzungen durchgingen. Oft widersprachen die Fotos
der Bewertung der Kritiker Erich Racek sah durch seine Linse Momente
der Schönheit, die sich dem flüchtigen Blick des Zuschauers
entziehen. Was wunder, dass unsere Treffen manchmal in einen Austausch
von unterschiedlichen Ideen mündeten wobei er mit den Bildern
quasi Papier gewordene Beweisstücke der Aufführungen
- meistens die besseren Argumente in der Hand hatte.
Das von uns publizierte Material sowie die vielen unveröffentlichten
Fotos geben Zeugnis über die Lebendigkeit einer Szene, die auf dem
Höhepunkt ihrer Entwicklung eine Identität gefunden hat, die
in seinen Fotos reflektiert wurde. Die Einstellung der tanzAffiche im
Jahr 2000 hat Erich Racek wie alle von uns tief getroffen. Die Stimmung,
dass etwas verloren gegangen ist, hat sich in den folgenden Jahren vertieft.
Mit seinem Abschied verstärkt sich das Gefühl des Verlusts einer Zeit in der zeitgenössischen Kunst, die im besten Sinn - aus starken
Wiener Wurzeln gewachsen ist und die er mit repräsentiert hat.
Ganz sicher verlieren wir mit Erich Racek einen lieben Freund, der ein Orientierungspunkt im professionellen und persönlichen Leben war und dem wir in Dankbarkeit verbunden sind.
Vor einigen Jahren begann Erich Racek mit der Malerin Edith Lechner eine
kongeniale Zusammenarbeit, die bereits in einigen Ausstellungen zu verfolgen
war. Mit ihren Übermalungen fügt Lechner den Fotos eine weitere
Ebene der Bewegung hinzu.
Einige Beispiele dieser Arbeiten sind ab 11. September 2004 im Bezirksmuseum
Landstraße in der Ausstellung Heißkalt zu sehen.
Im Mittelpunkt stehen die Fotos des Lieblingsmodels, der Tänzerin
/ Choreografin Akemi Takaya, in deren expressiven Stücken Racek jede
Menge fotografische Motive fand. Diese und andere Sujets bilden die Grundlage
von Edith Lechners Übermalungen, die ebenfalls ausgestellt werden.
Die Vernissage findet am 10. September um 19 Uhr im Bezirksmuseum Landstraße,
3., Sechskrügelgasse 11 statt (Tel: 711 34 03 127).
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Edith und Gerardo Wolf-Perez
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Submit am 09.06.2004
Online am Dienstag 09.06.2004
Lezte Online Aktualizierung am
Mittwoch 09.06.2004 19:44
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