Tanz aus der Reihe – Das Erste Treffen

Im März fand das erste Treffen zwischen ChoreografInnen, TänzerInnen, LehrerInnen und OrgansisatorInnen des vom ÖKS initiierten Projektes „Tanz aus der Reihe“ statt.

tanz at sprach mit Esther Linley, künstlerische Leiterin des Choreografischen Zentrums Linz (und dem Institute for Dance Arts an der Bruckneruniversität Linz), das als Host-Partner maßgeblich im Projekt involviert ist, über ihre Eindrücke vom ersten Treffen und ihre Wünsche an das Projekt.

Wie stehst Du als Repräsentantin des CCL zu dem Projekt und warum findest du es wichtig?
Ich bin sehr glücklich damit, jetzt, wo wir den ersten Schritt gemacht haben. Wichtig ist das Projekt aus verschiedenen Gründen. Zunächst mal das Übliche, für den Tanz ist das das Publikum der Zukunft. Wenn nie jemand mit Tanz in Kontakt kommt, wird er sich nie als Kulturform ansiedeln können. Zum anderen Kinder und Jugendliche sind mehr und mehr „verkopft“, alles geht über den Kopf und die Logik. Der Körper ist wenig in das tägliche Leben eingebunden. Daher ist mir ist die Vermittlung von Tanz ganz wichtig, für die Studenten, für die Jugendlichen, für alle Beteiligten, für die Etablierung dieser Kunstform. Deswegen stehe ich zu dem Projekt, und finde, dass es ein unglaublich guter Ansatz ist. In Österreich ist es doch so, dass Musik sehr gepusht wird und überall vorkommt, jeder spielt ein Instrument, der Tanz ist am Rand geblieben. Aber, wie wir im März beim ersten Treffen gesehen haben, ‚fliegen die Türen auf’. Wir haben die Choreografen, die Lehrer und die Organisatoren zusammen gebracht. Und es war sofort eine Kommunikation da, wir mussten das Treffen kaum moderieren.

Wie sind die ersten Schritte abgelaufen?
In ganz Österreich wurden Schulen angeschrieben und der Rücklauf war größer als wir erwartet hatten. Wir wählten dann 12 Schulen aus. Interessant war, dass die meisten Bewerbungen aus Oberösterreich kamen. Was für mich sehr befriedigend ist, weil es auf eine ganz leise Art zeigt, dass, wenn Tanz in einer Gegend promoted wird, die Leute offener sind als die Kulturpolitik wahrnehmen würde wollen. Obwohl es das CCL erst ein Jahr gibt. Das Projekt bewegt sehr viel, und zwar ganz praktisch. Das mag ich sehr, wenn die Sachen wirklich umsetzbar sind. Ende März gab es dann das erste gemeinsame Treffen, wo wir die nächste Schritte geplant haben.

Welches Ziel verfolgt das Projekt?
Es deckt mehrere Sachen ab, nicht nur die Vermittlung von Körper und Tanz an die Jugendlichen, sondern es bindet auch die Lehrer ein. Schön ist auch, dass es ein Betätigungsfeld für junge ChoreografInnen eröffnet. Eigentlich nicht nur jung, denn Liz King ist ja auch dabei. Darauf bin ich sehr stolz. Sie ist an einer Schule in Güssing.

Wie wird sich das in den Schulen tatsächlich abspielen, wie soll das Endprodukt ausschauen?
Jedes Team (Choreograf und Schüler) wird in einen choreografischen Prozess hinein gehen. Die Zusammenarbeit dauert etwa sechzehn Tage, und wird von Studenten der Sportwissenschaft unter der Leitung von Maria Dinold begleitet. Zum Abschluss werden die Arbeiten in einem gemeinsamen Showing präsentiert. Was wir nicht wollten, ist, dass das Ergebnis wichtiger als der gemeinsame Entwicklungsweg wird und, wir wollten keine kleinen MTV-Stücke. Für viele ist zeitgenössischer Tanz völlig neu. Es gab Anrufe, die sich erkundigten, was zeitgenössische Choreografie überhaupt sei. Im Projekt wird von den Erfahrungen der beteiligten Jugendlichen ausgegangen, daher wird das jeder anders angehen.

Gab es bei den Lehrern Berührungsängste?
Weniger als ich mir gedacht habe. Ich glaube eher, für die Lehrer war es ein ziemlicher Kick, dass sie ausgewählt wurden. Wir, die Kultur machen, unterschätzen oft, wie schwierig der Alltag eines Lehrers tatsächlich ist. Und wie wenig Freiraum für solche Projekte bleibt. Die Lehrer waren sehr motiviert zum einen, weil sie mit der Teilnahme an diesem Projekt ihren StudentInnen eine wunderbare Möglichkeit anbieten können, zum anderen, weil sie selbst etwas über sich erfahren. Das heißt die Berührungsängste waren durch den Enthusiasmus schnell beseitigt.

Welche Inhalte sollen vermittelt werden, ich nehme an, es geht nicht um die Vermittlung einer bestimmten Technik?
Bei der Auswahl der KünstlerInnen war es wichtig, dass sie alle aus dem zeitgenössischen Bereich kommen. Viele kommen zum Beispiel aus dem Improvisationsbereich, das ist, glaube ich, ein recht nützlicher Hintergrund, denn man muss sehr wach bleiben, man muss schnell auf Vieles reagieren, was man vorher nicht einplanen kann. Natürlich war es auch erwünscht, dass die SchülerInnen ein Training bekommen. Sie sollen lernen, ihren Körper zu spüren, da ist der zeitgenössische Tanz, wenn man weiß, wie man das vermitteln kann, für Amateure, ein guter Einstieg.

Was wäre dein Wunsch für die Zeit nach dem Projekt, was soll bleiben?
Ich glaube, für die Lehrer war es wichtig, dass so ein Projekt überhaupt zustande kommen konnte. Ich hoffe, dass die Lust am Spüren von Körper und Kontakt bleibt und diese Mauern vielleicht ein bisschen kleiner würden. Das Projekt war ein Anfang, und es hat sich gezeigt, dass das Interesse in Schulen dafür sehr groß ist.
Am 18. Mai 2004 findet im Radio Kulturhaus ab 19:30 eine Podiumsdiskussion zum Projekt statt, die große Abschlußveranstaltung, bei der Schülerinnen und Schuler ihre Arbeiten präsentieren, findet am 26. Mai 2004 im CCL in Linz statt.
Weitere Beiträge:
"Tanz aus der Reihe" Podiumsdiskussion
"Tanz aus der Reihe" Abschlußfest
"Tanz macht Schule"

oks

Gabriele Haselberger

Submit am 03.05.2004

 

Online am Dienstag 03.05.2004

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