Seit mehr als 25 Jahren befasst sich der Österreichische Kulturservice
mit der Kunstvermittlung zwischen jungen Menschen, LehrerInnen und KünstlerInnen.
Im Jahr 2004, im Rahmen des EU-Jahres der Erziehung durch Sport, startet
der ÖKS ein österreichweites Tanzprojekt. Frei nach dem Motto:
Österreichs Jugend tanzt aus der Reihe werden alltägliche
Schulsituationen auf den Kopf gestellt und die Schulen werden zu Orten
der Bewegung und Begegnung.
Eine Idee wird geboren
Es hat sich gezeigt, dass es notwendig ist, die Verbindung von Kunst
und Schule von außen herzustellen, das heißt, es muss jemand
die KünstlerInnen und LehrerInnen zusammenbringen und einen Dialog
ermöglichen, denn es gibt Berührungsängste. Zum Beispiel
wollen LehrerInnen meist Bewegungs- und MusikerzieherInnen, KünstlerInnen
einladen, aber kennen keine. Dann treten sie an den ÖKS heran,
erläutert die Projektleiterin Susanne Hofer, die seit einigen Jahren
beim ÖKS für Tanz zuständig ist, die Aufgabe des Österreichischen
Kulturservice.
Und weil Tanz eine Kunstsparte ist, die sich in den letzten Jahren steigender
Beliebtheit erfreut, wurde das Projekt Österreichs Jugend tanzt
aus der Reihe geboren, das im Jänner 2004 startet. Ihm gingen
bereits ähnliche geartete Projekte voran, die jedoch örtlich
begrenzt waren, wie etwa be prepared zusammen mit dem dietheater
Wien, oder Begegnung mit Tanz unter der künstlerischen
Leitung von Aurelia Staub in Salzburg. Tanz aus der Reihe,
entstanden in Zusammenarbeit mit dem Choreografischen Zentrum Linz unter
der künstlerischen Leitung von Esther Linley, ist erstmalig ein Projekt,
das sich an Schulen in ganz Österreich richtet, weil man dezentralisieren
wollte, das heißt weg von Wien. An den Wiener Schulen gibt es bereits
ein ganz gutes Bewusstsein, was zeitgenössischer Tanz ist und was
man damit machen kann. Außerhalb von Wien sind die Berührungsängste
größer. Das Projekt soll für die Bundesländer eine
Art Initialzündung leisten.
Tanz aus der Reihe hat einerseits künstlerische, das
heißt, es soll SchülerInnen an Orte der zeitgenössischen
Kultur holen, andererseits psychosoziale Zielsetzungen. Dazu gehören
die Förderung von Körpergefühl und gruppendynamischen Prozessen
wie Konfliktfähigkeit oder die Zusammenarbeit in der Gruppe, aber
auch wie die Förderung von Kreativität sowie von körperlichen,
konditionellen und koordinativen Fähigkeiten. Außerdem zielt
es auf die Vernetzung unter den LehrerInnen ab. Viele kochen ihr
eigenes Süppchen, so Hofer, wir wollen damit den Austausch
unter den LehrerInnen anregen.
Die Schulen werden aufgefordert, sich ein Semester lang schwerpunktmäßig
mit dem Thema zeitgenössischen Tanz beschäftigen
- fächerübergreifend und aus verschiedenen Blickwinkeln. Wir
wollen möglichst viele LehrerInnen und SchülerInnen einladen,
in irgendeiner Form zu partizipieren, sei es in Form von Kostümentwürfen
oder Flyers, es heißt nicht unbedingt, dass jede Schule eine Choreografie
erarbeiten muss. Im Idealfall sollen Choreografien zu Themen entstehen,
die sich aus dem Alltag der SchülerInnen ergeben. Jedoch im Vordergrund
stehe das prozesshafte Arbeiten, meint Hofer, nicht unbedingt ein Stück.
Teilnehmen werden vor allem SchülerInnen der Oberstufe, da die Prozesse,
die initiiert werden, auch reflektiert und analysiert werden sollen.
Die Umsetzung
Startschuss des Projektes Tanz aus der Reihe ist ein Kick-off-Treffen
im Choreografischen Zentrum Linz mit den KünstlerInnen, ChoreografInnen,
TänzerInnen und TanzpädagogInnen sowie den beteiligten LehrerInnen
der 12 Schulen. In einem zweitägigen Schnupperworkshop sollen mit
Lecture Demonstrations, Diskussionen und Dialogen gemeinsam Zielsetzungen
erarbeitet werden. Die heiße Projektphase beginnt im April, dauert
6 Wochen und wird mit 12 Endaufführungen an den jeweiligen Schulen
abgeschlossen. Am 26. Mai findet der große Abschlussevent am Choreografischen
Zentrum Linz statt, in dem Kurzfassungen der Choreografien präsentiert
werden.
Insgesamt werden sechs Tanzteams zu je 12 SchülerInnen miteinander
arbeiten, pro Tanzteam werden eine Tänzerin und eine Tanzpädagogin
aus der jeweiligen Region eingesetzt werden, ein Team betreut zwei Schulen.
Der Grund KünstlerInnen vor Ort auszuwählen war einerseits die
Kosten niedrig zu halten, andererseits, dass die KünstlerInnen
auch längerfristig verfügbar sind und der Kontakt über
das Projekt hinaus weiterhin bestehen kann.
Um die Erfahrungen für Nachfolgeprojekte nützen zu können,
wurde das Institut für Sportwissenschaft eingeladen, eine Evaluierung
des gesamten Projektes vorzunehmen, zusätzlich sollen SchülerInnen
und LehrerInnen Projekttagebücher verfassen, um den gesamten Prozess
mit allen Enttäuschungen und Erfolgserlebnissen zu protokollieren.
Über die Kooperationspartner herrscht aufgrund fehlender Förderungszusagen
noch weit gehend Unklarheit. Aber auch wenn der eine oder andere Zuschuss
nicht genehmigt wird stattfinden wird das Projekt auf jeden Fall,
gibt sich Susanne Hofer optimistisch. Tanz.at wird den Verlauf des Projektes
mit einer Reihe von Berichten begleiten.
Info: http://www.oks.at
Weitere Beiträge:
Im Gespräch mit Esther Linley zu "Tanz
aus der Reihe"
"Tanz aus der Reihe" Podiumsdiskussion
"Tanz aus der Reihe" Abschlußfest

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