Neuorientierung von Tanz,Graz

Nach C.Guerins "Birds“-Erfolg: "Tanz, Graz“ muss bleiben !“

Wie wird das unter Darrel Toulon von einer Premiere zur anderen gefeierte Ballett der "Theater, Graz“ deren Trennung bzw. Neuorientierung überleben? Nach dem Abgang von Karen Stone und Chefdirigent Philippe Jordan muss der nun bis 2006 bestellte Jörg Koßdorff den Spielbetrieb aufrecht erhalten. Toulons Sessel scheint zwar nicht in Gefahr, doch hat er bis jetzt erst eine Premierenzusage für das Opernhaus. "Das Schauspielhaus, die Probebühne werden uns fehlen. Vielleicht auch das Geld, aber noch ist nichts entschieden. Ich will und weiß nur eines: Tanz, Graz muss bleiben!“ sagt der nach der letzten Premiere frisch erfolgsgestärkte Ballettchef. Catherine Guerin schuf mit "The Birds Club“ auf der Probebühne des Schauspielhauses für "Tanz, Graz“ ein außerordentliches Tanzwerk. Inspiriert von Alfred Hitschcocks Gruselklassiker "Die Vögel“ lässt sie neun Tänzerinnen die ganze Palette weiblicher Verhaltensweisen, in- und außerhalb der Gruppe durchspielen. Da trippelt zunächst die aussdrucksstarke Viktoria Gionina mit ihrem Täschchen herein– ein eleganter Vogel, mit scharfem, wachem Blick - er weiß: die Konkurrenz schläft nicht. Tatsächlich flattert diese bald hysterisch auf, "Vögel“ aller Art, wohin man schaut, mal aggressiv und ängstlich, mal schön, mal abstoßend, mal eitel und mondän, mal armselig. Ihr Gefieder blitzt zwischen transportablen schwarzen Elementen ( schlicht und effektvoll wie die Kostüme von Silke Fischer), die von den Tänzerinnen immer wieder neu zusammengestellt werden und mit Licht- und Ton (Catherine Guerin, Thomas Lux) einen gewissen Film-Effekt erzeugen. Choreografisch löst Guerin die Thematik der Gefangenschaft und Zähmung des Vogels "Frau“ sowie die Umsetzung von Film in Tanz schlichtweg perfekt: Wenig, stets wiederkehrendes, zwanghaft "vogelig“ vorgetragenes Vokabular des klassischen Balletts wechselt mit theatralischen Ausbrüchen, witzig, schockierend, horribel, von allen Tänzerinnen, besonders aber von Young na Hyun beeindruckend vermittelt. Zu Silvester gibt’s "Tanzkino“ auf der Probebühne übrigens im Doppelpack: "The Birds Club“ und den Vorjahrserfolg der Grazer Tänzer "Dogs“.

Andrea Hein

Submit am 02.12.2003

 

Online am Dienstag 02.12.2003

Lezte Online Aktualizierung am Dienstag 24.06.2003 12:33

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