Mein Flamenco ist ein sehr persönlicher, er entspricht meiner
Art, den Flamenco zu empfinden, so Andrés Marín. Der 34jährige
Tänzer gilt als innovativer Künstler, der aber die Wurzeln des Flamenco
nicht vergisst.
Kraftvoll im Stil, ungemein männlich im Ausdruck, zelebriert Andrés
Marín die Freiheit der Bewegung auch in einer so strengen künstlerischen
Form wie dem Flamenco: Tanzen muss ganz aus dem Innersten kommen, es muss
weh tun. Wenn Andrés Marín die Bühne betritt, gehen Sinnlichkeit,
Impulsivität und Präzision eine faszinierende Mischung ein. Nicht zu
Unrecht wird er auch der Picasso des Tanzes genannt expressiv
und originell. Der Flamenco wurde Andrés Marín in die Wiege gelegt,
denn er stammt aus einer angesehenen Flamencofamilie. 1969 wurde er als Sohn seines
namensgleichen Vaters und der Tänzerin Isabel Vargas geboren. Schon als Kind
begann er zu tanzen und ist heute einer der spannendsten
jungen Flamencotänzer und Choreographen. Bahnbrechend war insbesondere seine
Trilogie Past, Present and Future, die eine mögliche, zukünftige
Entwicklung des Flamenco aufzeigt.
Andrés Marín hat sich in der Flamencowelt einen Namen gemacht, ohne
sich dem Kommerzialisierungsdruck, dem auch diese Kunstform ausgesetzt ist, zu
unterwerfen. Anders als Joaquin Cortes, der als Flamencopopstar inzwischen der
bekannteste Tänzer weltweit ist, möchte Andrés Marín seinen
sehr persönlichen Stil nicht dem Erfolg opfern oder eine Show mit Effekten
überladen. Innovation im Tanz und Persönlichkeit gehen für ihn
Hand in Hand: Die einzige Möglichkeit, im Flamenco Neues zu zeigen,
ist, man selbst zu sein. Eine Bewegung zu machen, die nur darauf ausgerichtet
ist, dem Publikum zu gefallen, ist das Allerschlimmste. Es berührt niemanden
wirklich. Andrés Marín möchte seine Form von Flamenco
in größtmöglicher Klarheit zeigen und verzichtet beim Bühnenbild
auf alles Überflüssige. Nichts soll ablenken, wenn er durch den Tanz
mit Publikum und Musikern spricht. So schafft er mit seiner Bühnenpräsenz
eine Atmosphäre
voll purer Flamencoästhetik, von der nichts ablenkt.
Tanja Thimm
Quelle der Zitate: http://www.flamenco-world.com/artists/marin/entrevista.htm
Flamenco-Glossar
Cante
Der Gesang. Einer älteren Gliederung nach wird der cante flamenco
ähnlich dem Tanz in cante grande und cante
chico großer und kleiner Gesang eingeteilt. Diese Gliederung
jedoch gilt inzwischen als überholt, da es meist von der Interpretation der
cantaores abhängt, zu welcher Kategorie der Gesang zuzuordnen
ist.
Cante jondo
Einer älteren Einteilung nach ein tiefer und inniger Gesang, zu dem
auch das religiöse Liedgut gehört.
Compas
Eigentlich Takt, im Flamenco jedoch steht compas für
den Rhythmus, der jeweils mit einem bestimmten Flamencostil verbunden ist. Er
ist im Prinzip der Grundschlag der Musik.
Fandango
Der fandango im allgemeinen ist eine Gattung des Volksliedes,
die in Andalusien weit verbreitet ist. Der fandango de Huelva zählt
neben dem fandango de Cordoba zu den folkloristisch gebliebenen Tänzen,
nicht zu verwechseln mit den fandangos grandes oder den fandangos
aus Malaga, Granada und Levante, die zumeist als Schöpfung einzelner Künstler
überliefert sind und in das Flamencorepertoire eingegliedert wurden.
Granaina
Ein Gesang, der zu der Gruppe der fandangos gehört. Ob er tatsächlich
aus der Gegend um Granada (wie die fandangos) abstammt oder eine Erfindung
von Antonio Chacon ist, ist umstritten.
Malagueña
Ein fandango aus Malaga, Strophengesang, der aus vier oder fünf
achtsilbigen Versen besteht, mit Kreuzreimen, die sich sowohl auf Vokale oder
Konsonanten reimen können und die sich im allgemeinen dadurch in sechs Verse
verwandeln, weil der erste oder dritte wiederholt wird. Sie wird als Prototyp
der cantes de Levante betrachtet und ist aus den traditionellen fandangos
de Malaga hervorgegangen. Es existieren verschiedene Arten von malagueñas,
bekannt sind vor allem die Interpretationen von und nach Enrique el Mellizo, Juan
Breva und Antonio Chacon. Sie gilt als eine der Königsdisziplinen im cante
jondo.
Martinete
Der martinete wurde vor allem in den Schmiedewerkstätten
gesungen. Sein compas wurde durch den metallisch hämmernden Klang
der auf die Ambosse einschlagenden Schmiedehämmer bestimmt. Seine Texte handeln
von der schweren Arbeit in den Schmieden und sind weniger von religiöser
Natur. Heute wird die martinete anders als die anderen Subgattungen
der tona auch getanzt. Da sie aber keinen festen compas
hat, wird sie zu diesem Zweck meist im Rhythmus der siguiriya gesungen.
Media granaina
Ein Gesang, der Antonio Chacon zugeschrieben wird. Dabei handelt es sich
um eine Variante der granaina.
Petenera
Die petenera ist ein Gesang, der einem Aberglaube nach Unglück
bringen soll und deshalb nur selten gesungen wird. Die Geschichte der petenera
erinnert ein wenig an die der Loreley. Ein schönes Mädchen namens Petenera,
so sagt die Legende, soll von ihrem Liebhaber ermordet worden sein. Seitdem geht
ihr Geist umher, um sich an den Männern zu rächen. Angeblich ist dieser
cante jüdischen Ursprungs, denn manch einer der Texte (letra)
spricht von einer schönen Jüdin, die in die Synagoge geht.
Saeta
Volkstümliche Gesänge, die in ganz Spanien verbreitet sind.
Sie sollen Frömmigkeit und Bußbereitschaft fördern und werden
während einer via crucis (einem Kreuzweg) oder den Prozessionen
der semana santa (Karwoche) praktiziert. Das Wörterbuch der Academia
espanola gab in seiner vierten Ausgabe aus dem Jahre 1803 folgende Definition
der saeta an: Jede der kleinen Strophen beinhaltet moralische
und anklagende Aussagen, wie sie gewöhnlich den Missionaren zueigen sind
und die auch in stillen Gebeten enthalten sind. Es ist ein Gesang mit Strophen
aus vier oder fünf achtsilbigen Versen. Erst seit Beginn des 20. Jahrhunderts
gibt
es auch saetas mit flamenco-ähnlichem Charakter, meist
als siguiriyas oder martinetes. Er wird anlässlich
der Prozessionen der Karwoche vorgetragen und wendet sich an die vorbeigetragenen
Prozessionsfiguren. Der Gesang wird generell ohne Begleitung vorgetragen, obgleich
er bei den diskografischen Aufnahmen oft mit einem musikalischen Hintergrund von
religiösen Märschen untermalt wird, der hauptsächlich aus Trommel-
und Trompetenbegleitung besteht, wobei auch einige Aufnahmen mit Gitarrenbegleitung
produziert wurden. Dem Anlass gemäß ist das zentrale Thema der Gesänge
die Passion und der Tod von Jesus Christus und alle
Umstände, die hiermit einhergehen. Die Erscheinungsform der saeta
als cante flamenco geht wahrscheinlich auf eine Zeit zurück,
die weit vor ihrer Verbreitung in den frühen Zwanzigerjahren liegt, allerdings
ohne dass man auf glaubwürdige Quellen ihres Ursprungs
verweisen könnte.
Siguiriya
Ursprünglich wurde die siguiriya, ein stark von den gitanos
beeinflusster Stil, nicht getanzt. Erst Mitte der Zwanzingerjahre des 20. Jahrhunderts
wurde sie für den baile flamenco entdeckt. Etwa 25 Jahre später
wurden bei diesem Tanz erstmalig die Kastagnetten eingesetzt,
die weniger mit dem Flamenco, als mit der andalusischen Folklore zu tun haben.
Heute ist die siguiriya nicht mehr von den Bühnen wegzudenken
und zählt zum Grundrepertoire des Flamencotanzes.
Solea por bulerias
Die solea gehört zu den wichtigsten der Flamencotänze.
Sie gilt als typischer Frauentanz und wird zumeist mit der bata de cola,
einem langen Schleppenkleid, getanzt. Es heißt, sie wäre im 19. Jahrhundert
das erste Mal von Rosario Monje getanzt worden. Die solea erreichte
gegen Ende des 19. Jahrhunderts ihren Höhepunkt, bevor sie in den Dreißigerjahren
für lange Zeit von den Bühnen verschwand und beinahe ganz in Vergessenheit
geriet. Por bulerias bedeutet, dass die solea zum Ende
hin in die heitere buleria übergeht.
Tangos
Flamencostil umstrittener Herkunft. Hier eine der Varianten: Der tango
folgt, für den Flamenco eher ungewöhnlich, nicht einem Zwölfer-,
sondern einem Viererrhythmus, ebenso wie der vom tango abstammende
tiento, die aus Lateinamerika stammende rumba und die
colombiana. Der tango flamenco, der nichts (mehr) gemein
hat mit den argentinischen tangos, gehört zu den cantes
festivos, den festlichen Gesängen. Zusammen mit der siguiriya,
der solea und der tona bildet der tango die
vier Grundfesten des Flamenco.
Tientos
Der tiento hat sich aus dem tango entwickelt,
ist jedoch langsamer und getragener. Er erfordert wie viele der getragenen
cantes sowohl von dem cantaor (Sänger) als
auch von dem bailaor (Tänzer) wesentlich mehr Ausdrucksvermögen.
Tona
Die tona ist die älteste Form der Flamencogesänge.
Sie wird ohne Begleitung (a palo seco) gesungen und nicht vertanzt.
Sie ist ein sehr ernster und tiefer Gesang, beinahe wie ein archaisches Gebet.
Verdiales
Die verdiales sind Varianten des fandangos aus
Malaga. Dennoch gehören sie nicht zu den Fandangoarten, deren Entstehung
einzelnen Künstlern zugeschrieben wird. Juan Breva jedoch kreierte einen
cante, der heute als Bindeglied zwischen den volkstümlichen verdiales
und den malaguenas ebenfalls einer Fandangovariante
- des Flamencos gilt.
Zusammenstellung des Glossars: Tanja Thimm
http://www.flamenco-germany.de
http://www.anda.de
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