Die Elemente der Bewegung als Unterrichtsprinzip

Im Herbst 2003 startet ein Akademielehrgang mit Bewegung und Tanz an der Pädagogischen Akademie des Bundes Wien

Unter dem Titel „Die Elemente der Bewegung als Unterrichtsprinzip“ findet ab Herbst 2003 ein einjährige Akademielehrgang für PflichtschullehererInnen mit 6 Wochenstunden an der Pädagogischen Akademie des Bundes in Wien statt.
Das Prokjektteam besteht Christine Kaufmann, Soja Hagen, Ursula Pfeifer und Jacqueline Krenn-Knafl, die alle Bewegungsanalytikerinnen sind und darüberhinaus auf Berufserfahrungen als Lehrerinnen, Psychologinnen oder Psychotherapeutinnen zurückgreifen können.
Als Basis zur Vermittlung des grundlegenden Bewegungsvokabulars wird die Methode der Bewegungsanalyse (Methode: Cary Rick) herangezogen. Sie vermittelt ein fundiertes Basiswissen über die motorischen Aktivitäten und elementaren Bewegungsmöglichkeiten des menschlichen Körpers. Die verschiedenen Interaktionsweisen führen in die vielfältigen Spielarten der Bewegungs-beziehung ein, wie sie in Bewegungsspielen und Tanz zum Einsatz kommen können. Bewegungsanalyse kann sowohl in Form von Bewegungsbeobachtung als auch als aktives Gestalten von Bewegungs- und Tanzsequenzen im Kontext des Unterrichts angewendet werden. Die Erweiterung des persönlichen Bewegungsrepertoires fördert die Erschließung neuer Handlungsspielräume. Aufbauend auf diesem Basiswissen vermittelt der Lehrgang effektive Methoden der Ent-spannung, Zentrierung, Aktivierung: also der Regulation des eigenen Energiehaushaltes.
Ein weiterer Unterrichtsgegenstand widmet sich dem Thema Improvisation und Gestaltung. Einfache Kreistänze aus verschiedenen Kulturen runden das Programm ab. Auch die speziellen Anforderungen in der Arbeit mit Kindern mit körperlichen und geistigen Behinderungen werden im Seminarangebot berücksichtigt.
Im didaktischen Teil werden gemeinsam mit den Studierenden verschiedene Wege der Umsetzung des Gelernten in der Unterrichtstätigkeit erarbeitet und eine unmittelbare Integration der Elemente Bewegung und Tanz in die Unterrichtsgestaltung vorbereitet.
Somit wird Praxisbezug und Praxisbegleitung innerhalb dieses Lehrgangs gewährleistet.

Die Entstehungsgeschichte
Seit 1990 wurden von Christine Kaufmann (Bewegungsanalytikerin, Psychotherapeutin) in verschiedenen Schulen Wiens kontinuierliche Projekte mit Tanz und Bewegung durchgeführt.
Die Ergebnisse wurden dokumentiert, um dazu beizutragen, dem Tanz einen Raum im schulischen Alltag aufzuschließen. Die Zeitschrift Tanz-Affiche berichtete darüber in mehreren Artikeln.
Im Rahmen des Projekts „Spielraum“ (Gesundheitsförderung und Suchtprävention im Volks-schulbereich) war es möglich, eine Volksschulklasse (VS Vereinsgasse 29, 1020 Wien) durch vier Jahre Schulzeit zu begleiten. Die tänzerische Arbeit wurde von einem wissenschaftlichen Team unter der Leitung von Prof. Dr. Max Friedrich evaluiert und es wurde eine umfassende Begleitstudie erstellt. Die Ergebnisse dieser Studie sind bemerkenswert.

Die Ergebnisse
Bei den Kindern der Versuchsgruppe zeigt sich ein deutliches und konstantes Ansteigen der Werte im Hinblick auf ihr körperliches, seelisches und soziales Wohlbefinden sowie ihre Fähigkeit zur Alltagsbewältigung“ (Definition von Gesundheit durch die WHO). Insbesondere die Kinder, die anfänglich sehr schlechte Werte aufwiesen – und zu einem Außenseitertum in der Klassengemeinschaft tendierten – konnten ihre Befind-lichkeit am meisten verbessern und fanden Wege zur Integration in die Gruppe.
Sämtliche psychosomatischen Beschwerden von einigen Kindern wichen im Laufe des 2. und 3.Schuljahres zugunsten einer selbstbestimmten Handlungsfähigkeit.
Die gesamte Klasse entwickelte solide Fähigkeiten zu konstruktiver Konfliktbewältigung, was sich in einem gelungenen Miteinander und einem friedlichen Klassenklima ausdrückte. Die Arbeit mit Spiel, Bewegung und Tanz erwies sich als ein ideales Mittel zur Gewaltprävention.
Die Lernmotivation und Leistungsbereitschaft der Kinder stieg deutlich an.
Persönlichkeitsbildung und Entwicklung von sozialen Kompetenzen finden selbst- verständlich und spielerisch in diesem Rahmen statt. Die derzeit sehr gefragten „Schlüsselkompetenzen“ werden gefördert:
Kooperations- und Teamfähigkeit, Flexibilität, Toleranz, Kreativität, Selbstver-antwortung, Selbständigkeit und Selbstbewusstsein.
Diese Ergebnisse wurden mit einem „minimalen Input“ von 1 Stunde 14-tägig für die jeweils halbe Klasse (maximal 12 Kinder pro Gruppe) erreicht. Diese hohe Effizienz ist einer von vielen Faktoren, die für dieses Modell als Bestandteil des Unterrichts in den Pflichtschulen sprechen.

Prämiertes Projekt
Aufgrund seines innovativen Charakters wurde das Projekt „Spielraum“ 1995 mit dem „Gesundheitspreis der Stadt Wien“ ausgezeichnet. Im Jänner 2000 wurden die Ergebnisse der Studie einem zahlreichen und interessierten Publikum im Rahmen einer Präsentation des Wiener Stadtschulrates vorgestellt.
Nun ist mit der Entwicklung des Akademielehrganges ein weiterer Tanz-Schritt in die Schulen vollzogen und wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit all den Lehrkräften, die sich von diesem Angebot angesprochen fühlen.

Information und Anmeldung unter: www.pabw.at (Lehrgänge: Elemente der Bewegung). ACHTUNG: ENDE DER ANMELDEFRIST IST DER 24.JUNI 2003 !

Christine Kaufamnn

Submit am 03.06.2003

 

Online am Dienstag 03.06.2003

Lezte Online Aktualizierung am Mittwoch 14.09.2005 20:03

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