Im Terrarium der Gefühle |
Elio Gervasi lässt über das Leben tanzen |
Geckos, Raum 33, Studio Elio Gervasi, 20.11.2009. |
Geckos, kleine Echsen, sind schon seit etwa 50 Millionen Jahren auf diesem Planeten. Überlebenskünstler also. Scheu, neugierig und flink, können sie auch auf senkrechten Wänden fortbewegen. Die possierlichen Tierchen mit den großen Augen und den breit gefächerten Füßen sind Elio Gervasi eingefallen, als er über das Leben nachgedacht hat. Über die Möglichkeit Schutz und Geborgenheit zu finden, und sich doch nicht ganz auszuliefern, über die ständige Suche nach Glück und Erfolg und über das dazu gehörende ständige Scheitern, über Einsamkeit und Gemeinsamkeit. Mit den Tänzerinnen Leonie Wahl und Kenia Bernal Gonzales sowie dem Tänzer Salvatore La Ferla hat Gervasi eine Choreografie erarbeitet, die dem Titel Geckos gleich am Anfang und auch später immer wieder gerecht wird. Wie ein sechsbeiniges Insekt kleben die TänzerInnen an der Rückwand des hohen Probenstudios im 10. Wiener Bezirk. Nur ganz langsam lösen sie sich voneinander. Auch später werden immer wieder Hände gespreizt und die schützende Grenze der Wand gesucht. Doch nichts lag dem Choreografen und seinem Team ferner, als eine Naturstudie zu entwickeln. Geckos ist nur ein Titel, nichts weiter. In Solos, Duos und Trios zeigen Gervasis Figuren - ein Mann zwischen zwei Frauen - die ganze Palette der Gefühle, die einen Menschen so schütteln im Leben. Alberto Castello hat einen teils an Naturgeräusche, teils an Albträume erinnernden elektronischen Klang beigestellt, der die TänzerInnen unterstützt, niemals aber die Oberhand gewinnt oder gar durch Lautstärke und Pfeiftöne das Publikum irritiert. Ohne große Mittel hat das Team aus dem Probenstudio einen intimen Raum geschaffen, der mit indirektem Licht, von außen durch halb geöffneten Jalousien dringend, und einem einzigen Fauteuil (Installation, Bühnenbild, Kostüme: Ricardo Cosendey) zur bestens genutzten Bühne wird. Nach Irrungen und Wirrungen fliehen die Geckos wieder an die schützende Wand. Was dahinter ist, werden sie nie erfahren. Doch eigentlich haben Choreograf und TänzerInnen keine Geschichte erzählt, sondern einfach bewegte Körper im Raum gezeigt, auf einander zu treibend und wieder abgestoßen. Drei großartige TänzerInnen. Das reicht doch.
Geckos ist noch am 25., 26. Und 27. 11. Zu sehen, Raum 33, Laxenburgerstaße 32, 1100 Wien. Reservierung unter: gervasi1@gmx.at oder Tel: 0699/1923 78 21 http://gervasi.at/
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Ditta Rudle |
Online am: 24.11.2009, © www.tanz.at |