Harte Arbeit, frohe Feste |
Die Theatergruppe ACO Okinawa erzählt vom Leben auf der Insel |
Unter dem Sternenhimmel, Dschungel Wien, 23.11.2009. |
Wie lange dauert es, bis 100 Sechsjährige mucksmäuschenstill sind? Nicht einmal 30 Sekunden, wenn das Licht ausgeht und über der Bühne der Sternenhimmel erstrahlt. Nur ein leises Oh ist zu hören, dann steht die in Weiß gekleidete Sängerin mit ihren Begleitern wie eine Erscheinung auf der Bühne und singt vom Leben der Bauern und Fischer auf der japanischen Insel Okinawa. Die Tänzerinnen und Tänzer machen die Geschichten sichtbar, sodass das junge Publikum gebannt folgt, auch wenn die Wörter in fremder Sprache gesungen werden. Unter dem Sternenhimmel nennt die Theatergruppe aus Okinawa das Stück für Kinder ab sechs, mit dem sie bereits durch alle Welt gereist ist. Zum ersten Mal ist ACO Okinawa auch in Wien zu Gast. Das vielköpfige Ensemble (an die 20 Mitglieder waren im Dschungel an der Arbeit) spielt nicht nur für Kinder Theater sondern zu Hause auch für Erwachsene. Für das Tourneestück hat die Truppe unter der Regie von Haruo Misumi und Megumi Tomita zwar aus dem traditionellen japanischen Theaterfundus geschöpft, aber mit modernen Mitteln, etwa der europäisierten Musik und unterschiedlichen Tanzstilen, ein auch für ein nicht mit japanischer Tradition vertrautes junges Publikum gut verständliches, spannendes und auch lustiges Stück gebaut. Die tragenden Elemente - Musik, Gesang und Tanz - stehen gleichwertig nebeneinander und erlauben verträumt-romantische Szenen ebenso wie herzhaften Witz. Assoziationen zu Karate blitzen in den witzigen Szenen auf, An Nô-Theater denkt man in den getragenen, folkloristisch angehauchten Passagen. Dramaturgisch hervorragend aufgebaut, lässt die Vorstellung in den 60 Minuten niemals Langeweile aufkommen, die entspannte Stille im Saal hält bis zum überaus komischen Ende an. Für die Verbeugungstour haben sich die Sanshin-Spieler (Sanshin ist eine dreisaitige Gitarre), die fulminanten Trommler, die eindrucksvolle Sängerin (feenhaft schöne Erzählerin und in erschreckender Maske auch die uralte Vorfahrin) und die quirligen TänzerInnen Besonderes ausgedacht. Jede Formation des Ensembles verabschiedet sich in einer eigenen kleinen lustigen Szene, als Kurzparodie der Erzählung aus dem Leben der Fischer und Bauern, der jungen und alten Frauen im Dorf und der Verliebten. Ein unterhaltsamer und animierender Blick in eine andere Welt und auf ein anderes Theater - fremdartig und doch auch vertraut.
|
Ditta Rudle |
Online am: 24.11.2009, © www.tanz.at |