Nicht nur Spinnen spinnen |
Schall und Rauch Agency philosophieren für Neunjährige |
Mein Toaster spinnt, Dschungel Wien, 21.10.2009. |
Hinter dem banalen Titel - Mein Toaster spinnt - verbirgt sich ein fantasievolles, abwechslungsreiches Stück voller Überraschungen. Eine fortlaufende Erzählung gibt es nicht, aber viele Fragen und noch mehr Möglichkeiten, diese zu beantworten. Gabriele Wappel und Janina Sollmann haben die Idee gehabt und mit Unterstützung von Frans Poelstra inszeniert, was sie gemeinsam mit Harald Sickha für ein junges Publikum ab Neun auf die Bühne bringen: Eine Parabel über das Leben, ein Nachdenken über das Woher, Wohin und Warum, ein Träumen, Singen und Lachen. Da kämpft ein Seemann gegen den eisigen Nordwind, La Traviata übt das Sterben (und tut dies in Schönheit), eigentlich ist sie ein Alien, von den Menschen entführt, aber sie hat es vergessen; die Strickliesl auf dem Baum hoch oben hingegen, meint dass sie verdoppelt sei, am anderen Ende der Welt gibt es sie einfach noch einmal. Eine schöne Vorstellung, dass da eine ist, die zuhört und alles versteht. Aber wie fühlt es sich an, wenn man zur Göttin gemacht wird? Wie ist es eine Robbenfängerin am Eismeer zu sein und was macht der Toaster wenn niemand da ist? Jedenfalls erlaubt ihm der Hungrige, der später als Kartoffelkäfer aus dem märchenhaften Leben der Spinnentiere erzählt während er den Boden aufwischt, sich auszuruhen, wenn er schon nicht mehr rösten mag. Auch mit Witz und Fantasie kann philosophiert werden, von Schrödinger bis Darwin und vor allem aus dem Leben der Spinnen. Die voll geräumte Bühne und der lockere Umgang mit den Requisiten, die oft ausufernde freien Assoziation mit wunderbaren Metaphern, skurrilen Ideen und dem warmherzigen eingehen auf die Fragen und Probleme der Teenager erinnert das 2003 gegründete Performanceensemble Schall und Rauch Agency immer mehr an die Arbeiten aus der Genter Kopergietery, was nicht wundert, schließlich kommt auch Trainer Frans Poelstra aus den Niederlanden und ein begnadeter Träumer ist er auch. Wie auch immer, mit dem Crossover aus Musik, Bewegung und Sprache (die wäre noch etwas zu trainieren) kann die Agency sogar jüngere Zuschauerinnen faszinieren. Und der Titel? Erklärt sich am Ende, wenn dem Publikum Toast mit Marmelade gereicht wird, damit neue Fragen gestellt und neue Antworten gegeben werden können. Eine hat die Popband Die Ärzte bereits vorgegeben: Der Himmel ist blau und das Leben liegt vor dir.
Gespielt wird noch am 23., 24., 25.10., 16.30 Uhr.
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Ditta Rudle |
Online am: 22.10.2009, © www.tanz.at |