Las Vegas am Bodensee

Graham Vicks „Aida“-Inszenierung für die Bregenzer Festspiele geriet zur überkitschigen Megashow

Aida, Seebühne Bregenz, 08.08.2009.

Von der ersten bis zur letzten Minute des Opernspektakels auf dem See fühlt sich der Zuschauer zerissen zwischen Staunen über die atemberaubende Präzision von Regie und Technik, die zehntelsekundengenauen Umbauten und musikalischen Einsätze auf der unüberschaubaren Bühne. Wie immer fasziniernd bespielt auch das Wasser, wenn auch das ägyptische Totenboot mit Aida (sehr ansprechend an diesem Abend: Svetelina Vassileva) und Radames (behäbig: Philipp Webb) als glühendes Luftschiff in den Nachthimmel steigt. Doch nicht nur im Finale setzte man auf große Optik (Paul Brown) - akustisch geht auf einer Bühne dieser Art ohnehin jegliche Operncharakteristik verloren, da nützt auch das perfekte Soundsystem von Wolfgang Fritz nichts. Wenn Verdi trotz feinem Orchester (Wiener Symphoniker unter Carlo Rizzi) und schönen Chören aus Katowice, Krakau und Bregenz schon musikalisch zu kurz kommt, hätte er vielleicht so manches geschätzt: Etwa die Stimmung, die bei den weit ausholenden Aufritten der Choristen und Statisten entstand. Hier gelang Choreograf Ron Howell wesentlich mehr als mit dem Tanzensemble, das sich zum Triumphmarsch auf vergleichsweise kleinem Platz eine Wasserschlacht lieferte, in zeitgenössischer Improvisationstechnik, wohlgemerkt. Zerissen wie die allgegenwärtige, gigantische New Yorker Freiheitsstatue ist bei dieser „Aida“ das Opernherz des Zuschauers, der am Ende geraume Zeit braucht, um sich vom Überkitsch à la Las Vegas zu erholen.

Andrea Hein

Online am: 02.10.2009, © www.tanz.at