Bewegung im Tanzquartier |
Ein gelungener Eröffnungsabend - abwechslungsreich und zwanglos |
Attached to you, Tanzquartier Wien, 30.09.2009. |
Nicht nur Stars, auch Stare können tanzen. Im Film von Marcel Prins und Leon Giesen formt sich ein Vogelschwarm zu allerlei Mustern und Formen und schwebt in immer neu schwingender Bewegung über den Dächern der Stadt. Ein schöner, beruhigender Anblick, eine freundliche Einladung als Vorspiel zum Choreografischen Eröffnungsabend im Tanzquartier zur ersten Saison des neuen künstlerischen Leiters Walter Heun. Ebenso wie der filmische Loop der niederländischen Filmemacher, dient auch die Broken Heart Suite 2009 von Tonspur-live 31:Andrea Sodomka / allen productions als Eröffnung vor der Eröffnung. Einfach Klänge im öffentlichen Raum. Zur festgesetzten Zeit: Ein PS als Ouvertüre. Stephanie Cumming zollt den im Sommer verstorbenen Künstlern Tribut und ehrt zugleich den Tanz an sich. Mit sprühendem Charme und fröhlicher Ironie, mit klappernden Lidern und rollenden Hüften und schließlich als schwebende Diva im Glitzeranzug erobert Cumming das Publikum. Begeisterung ruft auch Hiroaki Umeda hervor. Seine Performance beginnt im Dämmerlicht auf einem weißen Quadrat. Durch den Wechsel von Licht und Dunkel erobert er den Raum, verändert die Wahrnehmung des Publikums. Fast unbemerkt beginnt Umeda seine Performance, mit kleinen Fingerbewegungen, bald tanzen auch die Hände, die Arme, die Schultern, bis der gesamte Körper des Tänzers in Bewegung ist, Spiralen und Loops dreht und dann wieder nahezu flach in sich zusammen sinkt. Der 32jährige Japaner hat nicht nur klassisches Ballett studiert, sondern auch Fotografie sowie Sound,- Bild- und Lichtdesign. Nicht erstaunlich, dass sein Körper einen spannenden Tanz im und mit dem Licht aufführt und seine Choreografie Accumulated Layout einen Solisten im weißen Quadrat zeigt, den ich gerne wieder sehen möchte. Mit Licht und Musik tanzt auch Jean Geoffroy in einer Inszenierung von Thierry de Mey. In Light Music bedient sich der Performer eines interaktiven Systems (Movement Detector), um seine Bewegung als flüchtiges Bild auf die Videowall zu zaubern und zugleich hörbar zu machen. Geoffroy arbeitet vor allem mit den Händen - als Dirigent oder Schlagzeuger -, die in magisches rotes Licht getaucht sind. Die Abdrücke der Bewegungen sind für kurze Zeit als Linien, Kreise oder zuckende Blitze auf der Leinwand zu sehen. Wie die gesamte Inszenierung - Licht / Ton / Bewegung / Bild - mehrdeutig ist, so kann auch der Titel der Performance zweifach gelesen werden: Leichte Musik im Licht. Langes Grübeln, was das alles bedeuten soll, erübrigt sich, man genießt und staunt. Zwischenspiel zweier junger Tänzerinnen: Lieve de Pourcq und Satu Herrala wandeln Saal und Bühne zum Familientreffen, bei dem sich jede und jeder die passende Rolle aussuchen kann. In Gedanken natürlich nur, während die beiden Mitglieder der Kissinsky Family (Ein Künstlerkollektiv) ihre Miniaturshow zeigen. Zum Abschluss gibt Forced Entertainment in gewohnter Weise dem Tanzqartier die Ehre. Wer die First Night-Show nicht kannte, amüsierte sich. Der Rest war zufrieden, dass die gezeigte special version eine speziell gekürzte ist. Denn nun dürfen auch die Zuschauerinnen in Aktion treten, als Gäste an den reich gedeckten Tischen des Tanzquartiers. Finale: Der rote Samtvorhang zieht sich zurück, gibt den Blick frei auf das heranrollende Büffet. Die Grenzen zwischen Bühne und Zuschauerraum sind aufgehoben, unmittelbare Kommunikation zwischen KünstlerInnen und KonsumentInnen ist angesagt und möglich. Damit es richtig gemütlich wird im neuen Tanzquartier werden sogar kleine Abstelltische in die Reihen gezaubert. Ein rundum gelungener Abend, der Heuns Vorhaben, sich dem Publikum zuzuwenden und es aufmerksam zu verfolgen, fürs erste plastisch skizzierte. Über das Ende des Festes schweigt die Chronik. |
Ditta Rudle |
Online am: 02.10.2009, © www.tanz.at |