Kein Pfeffer, kein Biss |
Johann Kresnik zerkochte Jura Soyfer zum Kärnten-Eintopf |
Auf uns kommt es an, Kulturni dom Bleiburg, 06.08.2009. |
Mit der Inszenierung des Schauspiels Auf uns kommt es an von Christoph Klimke nach Jura Soyfer (Der Weltuntergang oder die Welt steht auf keinen Fall mehr lang, Der Lechner Edi schaut ins Paradies, Astoria, Vineta) wollte Johann Kresnik erstmals in seinem Kärntner Heimatort Bleiburg/Pliberk und erstmals mit Laien ein starkes Zeichen setzten und im Sinne Soyfers das Publikum erforschen und verändern. Leistete er mit den ambitionierten Darstellern dabei sensationell präzise Theaterarbeit, scheiterte er bei Publikumserforschung und -veränderung und überhaupt bei der Vermittlung von Soyfers Intention und Poesie in Klimkes auf Kärnten gemünzter Dramaturgie fast durchgehend. Auch der grandiose Einsatz von Andreas Seifert (Berliner Ensemble), des einzigen Profis auf der Bühne, und die exzellenten Musikeinfälle von Karlheinz Miklin und seinem Ensemble sowie die knallbunte Ausstattung von Reinhard Taurer konnten das Stück nicht retten. Die Standing Ovations des Premierenpublikums waren wohl lokalpatriotischer Natur und zeigten vielleicht auch die Freude darüber, dass ein Großer im kleinen Kunstort Bleiburg (u.a. Kiki Kogelnik, Werner Berg) Kärntens politische Zustände einst und jetzt wahrnimmt und theatralisch vorführt. Letzteres tat der Altmeister des choreografischen Theaters allerdings in peinlicher Oberflächlichkeit und mit wenig Respekt vor Jura Soyfers Werk im Stil seines - vor einigen Jahren ebenfalls gescheiterten - Wiener Blut. Die Collage aus wahren und wichtigen Kärnten-Bildern von gestern und heute geriet durchsichtig und im Wortsinn Geschmack-los, denn sie verwässerte Soyfers Werk und Wirken: von Kärnten-Hymne und Partisanenlied über Saualm und Ortstafeln bis zu Haider-Sprüchen und - Tod. Revuehaft, ohne Schärfe. Ungeheuerlichkeiten im Zeitraffer anstatt, wie es Kresnik oft selbst schon virtuos vorführte, Eindringen in die Figuren und deren Zeit. Dies geschah ansatzweise bei der Nachzeichnung des KZ-Häftlings Soyfer, sonst aber verlor sich das Stück in einer Bilderflut mit Musik und (beachtlichem!) Chorgesang. Da hatten ein Josef Winkler, Peter Turrini oder Produktionen wie Sobols Ghetto, Koflers Tanzcafé Treblinka oder Das Ballhaus mit ähnlicher Thematik Kärntens Theaterwelt ganz anders ins Wanken gebracht . Nicht hoch genug kann allerdings die Tatsache bewertet werden, dass diese Aufführung im Kulturni dom des kleinen Bleiburg überhaupt zustande kam - der slowenische Kulturverband und die Einbindung in die Europa-Ausstellung Macht des Wortes - Macht desBildes im Stift St.Paul&Bleiburg machten dies und noch mehr möglich: Parallel zu den Aufführungen bis 15. August wurden Kresniks choreografische Skizzen und Zeichnungen ausgestellt und vom 25. bis 27.September findet, ebenfalls in Bleiburg, das Symposium Ballett kann kämpfen statt.
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Andrea Hein |
Online am: 05.09.2009, © www.tanz.at |