Den Nullpunkt ausloten |
Anne Teresa de Keersmaeker hat ihrer berühmtesten Choreografie Rosas danst Rosas ein drittes Bühnenleben geschenkt und sich wie bei der Uraufführung 1983 wieder ins Quartett der Tänzerinnen gefügt.
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Rosas danst Rosas, ImPulsTanz / MQ Halle E, 27.07.2009. |
Von der Flüchtigkeit der tänzerischen Kreation hat Anne Teresa der Keersmaeker schon einiges erzählt - sie nicht nur als Wesenszug der Kunst der bewegten Körper akzeptiert, sondern daraus ein Leitmotiv ihrer Arbeiten gemacht. Und dennoch ist da auch der Versuch, der Vergänglichkeit Widerstand zu leisten: Vor zwei Jahren tat sie das in Sister, als sie mit Vincent Dunoyer, auf von Rosas-TänzerInnen Getanztes aus den letzten zwanzig Jahren verwies. Mit der erneuten Wiederaufnahme von Rosas danst Rosas geht sie an den Anfang ihres eigenen Weges als Choreografin zurück, als wäre es von Zeit zu Zeit notwendig, an den Nullpunkt zurückzukehren, um die Koordinaten der eigenen Position im künstlerischen Schaffensraum zu überprüfen und neu zu justieren. 1983 tanzte sich Keersmaker mit drei Kolleginnen der ersten Stunde ihrer Compagnie Rosas ins Bewusstsein der Öffentlichkeit, 1992 kam es zur ersten Neuauflage des legendären Stücks, wo sie sich auf ihre Rolle als Choreografin beschränkte. 26 Jahre nach der Uraufführung kehrt sie nun selbst auf die Bühne zurück. Mit Protagonistinnen aus dem ersten Remake sowie der Filmversion des Stücks (1997) bildet sie ein Ensemble, das das tänzerische Gedächtnis aus den früheren Produktionen einbringt. Rosas danst Rosas im Jahr 2009 versucht, dem Wandel zu trotzen und ihn gleichzeitig spürbar zu machen, es schafft eine Reibungsfläche zwischen Flüchtigkeit und Zeitlosigkeit des künstlerischen Bemühens und bestätigt rückblickend die visionäre Dimension einer ersten Arbeit: Denn Serien und ihre unvermutete Unterbrechung, Repetition oder strenge Geometrie und bewusst tolerierte Ungenauigkeiten, formale, abstrakte Bewegungsfolgen, die sich plötzlich durch eine beiläufige Geste des Alltags aufweichen, hat Anne Teresa de Keersmaeker bereits in Werk N° 1 in eine fulminante Komposition gepackt, die, getragen von vier Präzisionsarbeiterinnen auf der Bühne, das Publikum über hundert dichte Minuten lang in Bann hält. |
Karin Schiefer |
Online am: 06.08.2009, © www.tanz.at |