Klagenfurter Hauptbahnhof als Tanz(theater)palast |
Andreas Staudinger inszenierte ein Gesamtkunstwerk des Reisens |
Nachtzug, Klagenfurter Hauptbahnhof, 19.06.2009. |
Ein strahlendes Gesamtkunstwerk, wie es auch bei internationalen Festivals und Kulturevents nur als seltener Glücksfall vorkommt, entstand am 19. Juni spätabends im Klagenfurter Bahnhof zur Abfahrt des Nachtzugs: Mit einem großen Team aus Profis und Laien schuf das Avantgardetheater klagenfurter ensemble - das auch laufend Josef Winkler uraufführt - aus Architektur und Bühnenkünsten Kärntens spannendstes Theaterereignis seit langem. Andreas Staudinger, bekannt für seine Inszenierungen von Städten und historischen Gebäuden, lieferte der Produktion ein Konzept fast wie ein Fahrplan: es entsprach inhaltlich exakt dem so einfachen wie viel sagenden Titel Nachtzug, dem Abreisen, Ankommen, flüchtigen Begegnen an einem hellen Reiseplatz und Nichtort in dunkler Nacht. Stilistisch hielt sich der Regisseur an die neue, chrom- und glasglitzernde Architektur samt Rolltreppen, Brücke, Bahnsteigen und Geleisen. Was nur mit der erstaunlichen Großzügigkeit der ÖBB und mit kongenialen Partnern gelingen konnte: Manfred Kratochwils minutiöse Ton- und Lichttechnik schmiegte sich wie von selbst in die bekannten Bahn(hofs)geräusche, -ansagen und Beleuchtungen, das Trio Klammer/Gfrerer/Sitter lieferte feinen, eingängigen Sound. Das Leben kam in Worten, Gesang und Tanz, ebenfalls im Einklang mit der Umgebung, in präzisem Timing, bei optimaler Raumnutzung und spannender, glasklarer Ästhetik - vom Auftritt der Breakdancegruppe no tabu auf dem Vorplatz bis zur Abfahrt der alpha kai omega-Tänzer. Letztere trugen in der straffen, kühl-poetischen Choreografie von Bernadette Prix den Abend: In schwarzen Anzügen fassten sie mal mit, mal ohne Koffer die Anonymität des Reisenden in suggestive Bilder. Das hervorragend gecoachte Publikum kam zunächst unter Giselbert Hokes Fresken, dann auf Bahnsteig und Brücke aus dem Staunen über soviel Kunst am Bahnhof nicht heraus. Erstklassig. Leider kaum wiederholbar - oder doch?
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Andrea Hein |
Online am: 01.07.2009, © www.tanz.at |