Biennale di Venezia: Tanz am Nullpunkt |
Festivaldirektor Ismael Ivo will den zeitgenössischen Tanz neu positionieren, Festival-Highlight Micheal Clark setzte auf Retrolook |
Swan Lack,;Thank U Ma'am, Teatro alle Tese, Venedig, 25.06.2009. |
Drei Jahre lang will Biennale Danza, die vor zehn Jahren von Carolyn Carlson gegründete, nun von Ismael Ivo geleitete Tanzschiene der Biennale von Venedig, kein internationales Tanzfestival sein. Dafür startete Ivo Grado Zero, eine Initiative zur sukzessiven Neupositionierung des zeitgenössischen Tanzes. Dazu gehörten in der letzten Juni-Woche ein internationales Colloquium über die heutige und zukünftige Entwicklung des Tanzes mit Vertretern der heutigen Szene und der Fachpresse, mit Filmausschnitten choreografischer Schlüsselwerke und Diskussion. Seit April lief im dafür adaptierten Arsenal das Stipendienprogramm Arsenale della Danza, bei dem die Tänzer von Morgen in Meisterklassen drei Monate lang Werke heutiger Choreografen (ein)studieren konnten. Ihr Können konnten sie am Ende in einer neuen Kreation von Ismael Ivo zeigen: The Waste Land - ein Riesenerfolg, dem noch zwei Wiederholungen folgten. Umso erstaunlicher, dass das geplante Highlight, die Premiere zweier neuer Arbeiten von Michael Clark für seine kleine Compagnie am 25. Juni, alles andere als zukunftsweisend, sondern ein - wenn auch humorvoller - Rückblick war. Da zeigten erst acht, dann sechs Tänzer unter den Titeln Swan Lack und Thank U Ma'am einen nicht gerade fantasievollen Stilmix aus Cunningham, Forsythe und ja, auch Clark, zu absoluter Unmusik, sprich ohrenbetäubendem Krach, wie man ihn in den hier wiedererweckten 70ern noch nicht kannte (derart verunstaltet u.a. Bruce Gilbert, Iggy Pop, David Bowie). Wobei Thank U Ma'am noch das attraktivere Stück war. Nicht zuletzt wegen der schicken, raffiniert gewechselten Kostüme. Anders als viele im Arsenal aufführende Choreografen vor ihm, von Carlson bis Flamand, nützte Clark in keiner Weise die atemberaubende Architektur der Spielstätte, sondern sperrte sein Ensemble in eine biedere Guckkastenbühne
Doch bei Grado Zero soll ja alles möglich und erlaubt sein und der starke Applaus aus übervollen Rängen zeugt von der Begeisterungsfähigkeit und Offenheit des Biennale Danza-Publikums. Insgesamt sind Grado Zero und Arsenale della Danza ein ehrgeiziges und intelligentes (Spar)Projekt der Biennale - (zum Vergleich: Carlsons Academia Isola danza lief auf San Giorgio fünf Monate, dazu kam das hochkarätig besetzte Festival) -, das der kreativen Jugend, den Meistern und dem Tanz von Morgen gehört. Und das ist das wichtigste. Vom 11.bis 19. November gibt es übrigens die dritte Choreografic Collision unter Ismael Ivo, heuer ebenfalls im Rahmen des Arsenale della danza. |
Andrea Hein |
Online am: 01.07.2009, © www.tanz.at |