Eine Zeremonie des Nichts

Die finnischen Compagnie unter der Leitung des Choreografen Aalpo Aaltokoski führt das Publikum auf eine poetische Reise ins Unbewusste

Guardian of the Night , Staatstheater Braunschweig, Kleines Haus, 12.03.2009.

Alpo Aaltokoski, der der Gründer finnischen Kompanie, die seinen Namen trägt, ist einer der wichtigsten zeitgenössischen Choreographen Europas. 2003 wurde er vom Arts Council seines Landes mit dem Titel „Professor“ geehrt. In seinen Werken beschäftigt sich Aaltokoski intensiv mit dem menschlichen Wesen, seinen Gefühlen. Empfindungen und dem Unterbewussten. „Guardian of the Night“, ein kleines Meisterwerk.
Im goldenen Licht zieht eine Frau ein imaginäres Seil auf die Bühne herunter. Sie schreit ohne Stimme. Sie schreit die Urschrei. Das Licht ist jetzt hellblau, kalt, strahlt silberne Sehnsüchte über die Gestalten von sechs Frauen, barfuß, manche mit rasiertem Kopf. Sie tragen lange gewölbte Kleider.
Die Musik zischt fremdartig, schleift zwischen den langsamen, weichen Bewegungen und Gesten - eine Zeremonie des Nichts in der zeitlosen Nacht, ein archaisches Initiationsritual. Symbole, die Frauen hervorbringen, tote Spiegel, die das Bild nicht zurückleuchten. Nur einer, doch es ist zu spät - auch diese Frau sieht sich nicht mehr.
Atmungen, jede Gestalt repräsentiert die Geburt der anderen und ihrer selbst. Sie drehen, und drehen wie Derwische der Dunkelheit.
Als die Musik stärker und bedrohlicher wird, schließt sich der Kreis der Geburt. Die Urmutter, zunächst schrecklich, dann beruhigend, integriert den Rhythmus des Universums.
Das Licht spielt hier eine bedeutende Rolle, wie auch die Komposition, die für die Choreographie geschrieben wurde (Olli Kostelin) und alle Intentionen des Chors ermöglicht, manchmal im Kontrapunkt mit den Bewegungen. Ein ernsthaftes, sakrales Werk, das in der tiefsten emotionellen Ebene trifft, das Tor unserer Gefühle öffnet, durch unser unterbewusstes Gedächtnis hindurch, das sich dann befreit und uns sogar überwältigt.

Celi Barbier

Online am: 13.06.2009, © www.tanz.at