Schön gestorben |
Rollendebüts lassen John Crankos Choreografie etwas zerstreut wirken. |
Romeo und Julia, Wiener Staatsoper, 29.04.2009. |
Vor allem schön gestorben wurde an diesem Abend, der Polina Semionova, erste Solotänzerin beim Ballett der Staatsoper Unter den Linden Berlin, Gelegenheit gab, zum ersten Mal die Julia zu tanzen. Roman Lazik, der ihr Romeo hätte sein dürfen, war verletzt, deshalb sprang Filip Barankiewicz, Erster Solist, in der Stuttgarter Ballettcompagnie bravourös ein und war als Romeo zum ersten Mal in Wien zu sehen. Auch Romeos Gefährten, Mercutio und Benvolio, waren mit Neulingen in diesen Rollen besetzt: Mihail Sosnovschi und Alexandru Tcacenco. Tamas Dietrich, stellvertretender künstlerischer Leiter in Stuttgart, der Wiege von John Crankos unsterblicher Choreografie, hat die Proben überwacht, was sich besonders in den Ensembleszenen in den beiden bunten Akten wohltuend bemerkbar machte. Keine Eigenbau-Lazzi, kein unüberschaubares Gewurl, sondern jugendliche Ausgelassenheit und festliche Stimmung, die durch den tödlichen Familienstreit unversehens ins Tragische kippen. Sosnovschi setzt als Mercutio anfangs zwar allzu sehr auf sein komisches Talent, taumelt aber auch wunderschön ergreifend zu Tode. Dennoch ist er, hoch gewachsen und mit unnachahmlichen Charme ausgestattet, als Romeo besser eingesetzt. Zu Herzen gehend schön stirbt nach perfektem Fechtkampf, auch Kirill Kourlaev, der immer wieder zeigt, dass er der personifizierte Tybalt ist: hart und kompromisslos. Gut, dass er auch in der Fledermaus tanzt und nicht immer der Böse sein muss. Filip Barankiewicz ist ein hübscher Romeo, der seine Verliebtheit durch spektakuläre Pirouetten aller Arten kund tut und selbst wenn er still steht, tadellose Haltung zeigt. Semionova, eine Primaballerina aus dem Bilderbuch, tanzt die Julia als junge Frau und nicht als trotziges Kind. Zu kritisieren ist nichts an dieser zartgliedrigen Tänzerin. Sie zeigt technische Perfektion und Anmut, makellose Schönheit, ein ausdrucksvolles Mienenspiel und elegante Leichtigkeit. Als wäre sie nicht von dieser Welt, schwebt sie in den Armen des Partners. Vielleicht ist es gerade dieser Eindruck, der die Vorstellung zwar zur Augenfreude jedoch nicht zum ergreifenden Erlebnis gemacht hat. Die Liebe bis in den Tod war nicht spürbar, ich sah einzelne Szenen, in denen wohl alles stimmte, aber keine Geschichte. Am Orchester lag es diesmal nicht, die MusikerInnen taten ihr Bestes, auch wenn Dirigent Michael Halász mit Prokofjews Musik noch immer nicht zurechtkommt und die Noten herunternudeln lässt, als hätte er noch einen Termin zu absolvieren. Kein Wunder, dass das geneigte Publikum, hineinklatscht, bevor Julia in Schönheit ihren letzten Atemzug getan hat.
Nächste Vorstellung mit Irina Tsymbal, Mihail Sosnovschi und Denys Cherevychko (Mercutio) am 31. Mai.
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Ditta Rudle |
Online am: 10.05.2009, © www.tanz.at |