Das Burgenland ist wachgeküsst |
Exzellente Künstler, Vielseitigkeit und kompakte Stücke sind das Erfolgsrezept des ostösterreichischen Kurzfestivals |
4. Bgld. Tanztage, Offenes Haus Oberwart, 03.05.2009. |
Dass zeitgenössischer Tanz nicht nur ein urbanes Phänomen ist, das versucht Liz King seit einigen Jahren im burgenländischen Oberwart zu beweisen. Und der Erfolg scheint ihr Recht zu geben. Bei den heurigen 4. Bgld. Tanztagen (1. bis 3. Mai) im OHO war die Auslastung trotz des verlängerten Wochenendes überwältigend. Das kann wohl nur mit einem klug ausgewählten Programm erreicht werden. Erstens stimmt das Format: gezeigt werden Kurzstücke von durchschnittlich 20 Minuten Länge. Zweitens stimmt die Qualität. Mag schon sein, dass einige Stücke nicht so leicht nachzuvollziehen sind. Doch es ist die vielseitige Mischung und die starken Bühnenpersönlichkeiten, die das Publikumsinteresse im intimen Rahmen des OHO - Offenes Haus Oberwart zu fesseln wissen. Bei den Tanztagen werden einerseits die Ergebnisse der Residenzen, die in Liz Kings d.id (Dance Identity) stattfinden. Dabei steht TanzkünstlerInnen im benachbarten Pinkafeld für einige Wochen ein Studio zur Verfügung, um neue Stücke zu erarbeiten. Außerdem sind die Bgld. Tanztage in einem EU-Kulturprojekt mit Festivals in Slowenien. Kroatien und Ungarn vernetzt, das einen regen Austausch ermöglicht. Nicholas Quinn leitete den letzten Abend des Festivals mit einer Einführung in die Techody Technik ein. Der junge Engländer hat damit endlich eine Lücke geschlossen. Er verbindet mit seiner Technik nämlich esoterische Energiearbeit mit dem Computer - eine köstliche Idee, die er live und anhand eines Videos plausibel darlegte. Köstlich und hoffentlich bald auch auf youTube zu sehen! Britta Pudelko geht in ihrer Performance Lettera A einem geheimnisvollen Text des französischen Dichters René Char nach. Ein Gummiband, das sie in verschiedenen Anordnungen durch den Raum spannt, setzt Grenzen, wird zum Labyrinth. Endlich befreit verstrickt sich die Tänzerin erneut im Fadennetz, als wäre die Freiheit ein unerträglicher Zustand. Eine sehr konzentrierte und konsequente Umsetzung einer Idee, die vom Sound-Teppich von Klaus Janek kongenial begleitet wird. Den Abschluss des Abends bildete die Choreografie Rodeo der Schweizerin Claire Granier, getanzt von Alex Ketley. Der amerikanische Tänzer besticht durch Technik, Präzision und Ausdruck gleichermaßen und lässt dieses abstrakte Solo zu einer emotionalen Berg- und Talfahrt werden. Ich habe Oberwart mit dem Gefühl verlassen, dass mir einiges entgangen ist, weil ich die Tage davor versäumt habe. Selten fand ich zeitgenössischen Solotanz so abwechslungsreich und inspirierend. |
Edith Wolf Perez |
Online am: 10.05.2009, © www.tanz.at |