Ein Moment seltener Schönheit |
Die Guangdong Modern Dance Company aus China gastierte erneut beim Festival Tanzwelten, diesmal mit einer Weltpremiere |
Thousand Faces of Grimm; Rice, Spice, Zen, Color; Staatstheater Braunschweig, Kleines Haus, 13.03.2009. |
Zum zweiten Mal hat sich die Guangdong Modern Dance Company bei "Tanzwelten" vorgestellt. Die Finanzkrise hat überall zugeschlagen. Auch China hat das Budget gekürzt. Das auch außerhalb des Heimatlandes bekannte Ensemble hat das Programm mit Flexibilität umdisponiert. Anstelle von zwölf Tänzern und "Heaven and Earth" präsentieren sechs Mitglieder des Ensembles ein erfrischendes, lustiges Werk. "Thousand Faces of Grimm", basierend auf den Märchen der Gebrüder Grimm, und "Rice, Spice, Zen, Color". "Wir kannten die Märchen aus Disneyland, dann ist ein Buch über Grimms Märchen in Japan erschienen und Aschenputtel' in Südwest-China. Meine Tochter ist eine Grimm-Spezialistin", erklärt der legendäre W. Tsao, Willy, wie man in ihn nennt, Tänzer, Choreograf, tüchtiger Geschäftsmann, hochintelligent, humorvoll und Leiter des Ensembles seit 1992. Die Reise durch Grimms Erzählungen: Keine leichte Aufgabe. Perfekt konstruiert nach Grimm und wunderbar dargestellt. Fabelhafte Tänzer, präzise Mimik, beneidenswerte Körperbeherrschung, manchmal akrobatisch, aber biegsam und geschmeidig!. Der Wolf (C. Xiewei) ist ein außergewöhnlicher Darsteller, sowohl das Märchen betreffend als auch die "Speise". Willy sprach auch über die Bedeutung des Essens in China: "Der Reis ist die Haupternährung in Asien und manch anderen Ländern, dazu der Geschmack der Gewürze. Wir haben mehr als 100 in China, sie gehören dazu. Zen ist die Konzentration und die Farbe des Lebens. Auf Musik von Harfe und Flöte fängt eine Tänzerin an, sich in einem Kreis von durchsichtigem Material zu bewegen, der Reis fällt wie ein göttlicher Regen über sie. Es ist so delikat, wie sie sich langsam bewegt. Ihr Kostüm wirkt wie eine Blumenkrone in Zartrosa mit dem Oberkörper in transparentem Grün. Dann verschwindet der Kreis fast unter der Verdunkelung. Die "Modernität" tritt auf mit all ihren Stereotypen. Eine "Dame" erscheint: rot glänzende Lackschuhe, kurzes Röckchen in schwarz-roter Spitze, Haarschnitt "Chanel", Zigarette
Welche Sinnlichkeit, und dann sagt sie wie ein Musikton: Tak (Komm). Es wären hundert Details dieses Solos zu beschreiben, erotisch mit allen Nuancen des Kitsches von Frankreich bis zum Orient, doch niemals vulgär. Die Pseudo-Playboys rundherum sind fabelhaft, sehr amüsante Klischees, bis zum Happening am Ende zu Rumba-Musik; und ein Koch (der superbe C. Xiewei), Akrobat und Clown, verrückter Darsteller der Kunst, den Reis auf der Bühne vorzubereiten. Speisen, die mit dem Publikum geteilt wurden
Humorvoll, großartig, ohne andere Absicht als das Publikum zu erfreuen und sich selbst sicherlich auch! Das Rätsel der kalten Zwiebel sollt Ihr selbst lösen.
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Celi Barbier |
Online am: 29.04.2009, © www.tanz.at |