Flatternde Fledermaus, wendiger Hausfreund |
In der aktuellen Aufführungsserie der Fledermaus begeistert Denys Cherevychko als komödiantischer, wendiger Ulrich. |
Die Fledermaus, Wiener Staatsoper, 13.04.2009. |
Ein flatterhafter Ehemann, ein Heimchen, das zur Femme fatale wird, und ein Freund, der die Fäden zieht - auf diese drei Figuren hat Roland Petit die Handlung der Operette Die Fledermaus in seinem gleichnamigen Ballett konzentriert, Douglas Gamley hat dazu die Melodien der Operette, aber auch zahlreiche Strauß-Walzer und Polkas zu einer unterhaltsamen, fröhlichen Tanzmusik arrangiert. Seit Jänner ist das Stück an der Staatsoper zu sehen, am Ostermontag gab es ein Rollendebüt, das entzückte: Denys Cherevychko übernahm den Part des Ulrich, eben jenes Hausfreundes, der die traurige, weil sich von ihrem Ehemann vernachlässigt fühlende Bella (Irina Tsymbal) motiviert, die Begehrenswerte in sich heraus zu kehren. Der Abend beginnt im trauten Heim, aus dem Johann (Kirill Kourlaev) eben ach so gerne entflieht. Noch nimmt er sich am Esstisch zusammen, weil Besuch da ist - die Pantomime mit Tellern und jene, die durch rollende Unterarme eher schlingen denn essen vermittelt, wirkt für mich lächerlich, bringt aber einige im Zuschauerraum zum Lachen. Seine Frau sehnt sich nach Zuneigung, doch die Gestik macht klar, dass dies nicht auf Gegenseitigkeit beruht: Während Tsymbal als Bella sich nach ihrem Johann ausstreckt, zeigt sich Kourlaev unnahbar und steif
..um dann, sobald die liebe Frau die Augen schließt, im wahrsten Sinne des Wortes davon zu flattern (ein Seil und Bühnentechnik machen es möglich). Bella ruft, als sie´s bemerkt, schnell den Hausfreund zur Seite (in einem amüsanten Pas de Trois mit dem Hausmädchen und dem Telefon). Von der Jammernden wird sie während des witzigen Tanzes mit Ulrich zur temperamentvollen Schönen. Und ab geht es ins Maxim, wo sie neben vielen anderen Herren auch dem eigenen Mann den Kopf verdreht. Zu Donner und Blitz buhlt Kourlaev mit hohen Sprüngen und Manegen um sie. Tsymbal spielt neckisch die Unnahbare, die erobert werden will. Beide liefern technisch gesehen tolle Leistungen, der Abend ist hier auf seinem unterhaltsamen Höhepunkt. Nach der Pause folgt ein eigenwillig choreografierter Maskenball, auf dem die Tänzer mal Marionetten, mal Vögelchen sind und unter den Füßen des Partners durchkriechen. Für Johann führt der Weg vom Ball direkt ins Gefängnis, wo ein ätherischer Pas de Deux mit seiner Bella ihn rettet. Er sinkt vor Verzückung hin - und seine vife Frau zückt die Schere und stutzt ihm seine Flügel. Die Fledermaus ist gebändigt und alles endet in großer Walzerseligkeit. Nicht dass die Story aufregend oder besonders einfallsreich wäre, es ist Petits Choreografie, die den Abend zum schönen Ballett-Erlebnis macht, da sie sich Revue-Elemente ebenso wie solche des klassischen Balletts aneignet und gleichzeitig sehr eigene Kombinationen präsentiert, technische Höchstleistungen, aber auch sexy Ausstrahlung und viel pantomimisches Talent fordert - und einfach schön anzusehen ist. Einen tollen Einstand als Ulrich liefert Cherevychko. Bei der Premiere hatte Eno Peci mit flinken Sprüngen und Drehungen aus ungewohnten Positionen, wie sie die Choreografie eben verlangt, beeindruckt, aber auch durch sein komödiantisches Talent. Cherevychko steht ihm in nichts nach. Seine Beinarbeit ist rasant, seine Vielfach-Drehungen machen es schwer sie zu zählen. Seine Ausstrahlung ist, wie es die Rolle erfordert, die eines teils selbstbewussten, verschwörerischen und dann wieder sehr clownesken Mannes. Cherevychkos Esprit ist eine Bereicherung für die Aufführung. Nächste Termine: 18.4., 4.12., 11.12.
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Theresa Steininger |
Online am: 15.04.2009, © www.tanz.at |