Lems Solaris gelandet |
Köln und Klagenfurt: Coop05 besticht mit absurdem (Tanz)Theater |
Solaris, Kwadra:t, 26.03.2009. |
Es gibt internationale Kunstinitiativen auf höchstem Niveau, von denen man kaum erfährt, da gut Ding eben Weile braucht und somit selten ist. Der von der Kärntner Schauspielerin Susanne Kubelka und dem oberösterreichischen Regisseur Gerhard Roiss gegründete Verein Coop05 erarbeitete sein jüngstes Werk Solaris frei nach Stanislaw Lems Kultroman und Andrei Tarkovskis Film. Wenige Tage nach der erfolgreichen Premiere in Köln, wo Coop05 mit einem internationalen Ensemble arbeitet, landete Solaris, Lems geheimnisvoller Planet, in der funktionell und neu gestalteten Spielstätte Kwadra:t am Messeplatz in Klagenfurt. Und machte diese für einige Tage zur ersten Kärntner Theateradresse. Unter Roiss' Regie lieferte Coop05 aus Spiel, Tanz und Bühne einen grandiosen, dichten Abend zur Absurdität des Seins. Solaris tut seine Wirkung ohne Konzessionen an Theatermoden, sieht man von Video und Butohtanz ab. Doch beides fügt sich hier harmonisch und künstlerisch faszinierend ins Gesamtwerk. Vor allem Paula Scherfs Choreografie setzt Lems Text in eindrucksvolle Bilder um. Darin trifft Astronaut Kevin (Guido Renner) bei seiner Ankunft auf Solaris auf die Jämmerlichkeit menschlichen Forschungsdrangs: Hinter sich zu immer neuen Perspektiven verschiebenden Türen vegetieren zwei abgetakelte, wahnsinnige Wissenschaftler, Snaut (berührend: Waldemar Hooge) und Sartorius (schräg: Philipp Sebastian). Aber auch eine Selbstmörderin: Kevins Frau Harey, die sich vor Jahren durch Gift das Leben genommen hatte. Eine grandiose Susanne Kubelka verkörpert in dieser Rolle die Leichtigkeit, alle anderen die Unerträglichkeit des Seins. Eine geschlossene Gesellschaft à la Sartre, fünf Schauspieler, fünf Tänzer, verzweifelt auf der Suche nach Antworten wie: Wie war dein Antlitz vor der Geburt deiner Eltern? In dem Augenblick, als auch der Zuschauer sich im lähmenden Nichts zu verlieren droht, wächst aus Harey und ihrem Akkordeon neue Energie. Gewaltig und hell drängt sie mit den Tänzerinnen zu einem Ende - ohne Ende
Unglaublich, man muss es sehen. Festivalreif. |
Andrea Hein |
Online am: 06.04.2009, © www.tanz.at |