Haifisch ohne Zähne |
Henry Masons Inszenierung lässt Brecht in einer Bilderflut erblassen. |
Dreigroschenoper, Stadttheater Klagenfurt, 27.03.2009. |
Was fällt Henry Mason nicht alles ein! Zur Dreigroschenoper im Klagenfurter Stadttheater war's soviel, dass Bertolt Brecht dabei fast unterging. Der junge englische Regisseur versteht, wie man aus anderen Produktionen weiß, zweifelsohne sein Handwerk, übersah diesmal jedoch, dass seine hochaktuelle Bilderflut dem Haifisch die Zähne zieht - ist doch die Entstehungszeit des Werkes (1928) noch so präsent, dass sie Aufputz aus dem Heute nicht braucht. Dieser machte den Darstellern von Peachum, Mackie Messer &Co das Bühnenleben eher schwer; jedenfalls nützen sie in Klagenfurt bei Weitem nicht die Chancen, die ihnen Brecht gibt. So bleibt Weills Musik, die die Show unter OP-Lampe, zwischen Laufsteg, Laptops, Ostmafia, US-Soldatin mit Hund-Einlage und Todesspritze in die Brechttheaterzeit zurückholt. Der Einfall, das Orchester unter der ambitionierten Leitung von Michael Brandstätter an der Bühnenwand aufzutürmen, steht auf der Habenseite der Regie. Dieser verhalf die Choreografie immerhin zu Stil, wenn auch schwer zu sagen ist, wo Mason aufhört und Choreograf Karl Alfred Schreiner anfängt. Gags und Bewegung aus einem Guss, das ist hier zweifelsohne gelungen: die präzise Durchgestaltung der musikalischen Szenen, die Symmetrie der Gestik, vor allem der Hände. Klare Linien, witziges Styling hier, ein blasser Brecht und aufgesetzte Bilderflut da - ein seltsam verwirrendes Theatererlebnis. |
Andrea Hein |
Online am: 06.04.2009, © www.tanz.at |