Voll Witz und Selbstironie

Thomas Borchert wusste bei seinem Solokonzert im Theater Akzent mit seiner mal Furcht einflößenden, mal streichelnden Stimme, aber auch mit Charme und Spontaneität zu beeindrucken.

Strictly Musical, Theater Akzent Wien, 04.04.2009.

Bedrohlich und beängstigend, dann wieder zärtlich wie eine Streicheleinheit - so facettenreich ist die Stimme von Thomas Borchert. Der Musical-Star hatte sich für sein Solokonzert, das er Anfang April im Wiener Theater Akzent gab, zahlreiche Songs ausgesucht, die seine Fans von ihm lieben, aber auch solche, „die ich nie singen durfte, gemein.“
Oft auf düstere Figuren („ich bin immer der Mördertyp, der durchgeknallte Typ, der Mördertyp..“) abonniert, kennt man Borchert aus „Jekyll und Hyde“, „Dracula“, „Tanz der Vampire“. Und auch wenn Borchert selbst meint, es läge an seiner dunklen Haarfarbe, so ist es doch sicherlich auch seine so charakteristische Stimmfärbung, die ihn auf diese Rollen festlegt.
Wenn er die Songs der Musical-Monster darbietet - so abgedroschen es klingen mag - man bekommt eine Gänsehaut, so eindringlich ist seine Stimme, so bedrohlich wirkt sie. Er weiß auch, wann er diese zurücknehmen muss, damit er ganz zärtlich klingt und man doch spürt: diese Vertrautheit (eines Draculas, Vampirs…) ist nur Schein.
Mit Charme bracht er aber auch Songs aus „Shall We Dance“ der Gershwin-Brüder, Porters „I Get A Kick Out Of You“ - bei dem er seine Scat-Künste zum Besten gab - und „The Street Where You Live“ aus „My Fair Lady“ und vor allem „Bin nur für die Liebe da“ aus „Chicago“. Bei „Bring him home“ aus „Les Miserables“ mutete er sich dann aber doch zuviel der hohen Töne zu, hier wird die gehauchte Kopfstimme, die er ansonsten gut einzusetzen weiß, doch überstrapaziert, einige Töne klingen gequetscht. Doch die Fans klatschen trotzdem wie verrückt - und einen Missgriff kann man an so einem facettenreichen, toll gestalteten Abend natürlich verzeihen.
Borchert zeigte sich an diesem Abend auch voller Witz und Selbstironie, wenn er etwa seine flatternden Hosen kommentierte oder das Faktum, sich ausruhen zu müssen, nachdem er ein paar Mal über das „Showtreppchen“ gehüpft war - oder wenn er eine Anekdote zum Besten gab, die auch heute noch lachen macht: Als er Leopold Mozart spielte, musste er zu Wolferl sagen: „Ich weiß was gut für ihn ist, ich bin sein Vater.“ Die Szene kam, auf der Galerie schrie ein Baby just bevor Borchert sagte „Ich bin sein Vater“. Das Theater tobte vor Lachen.
Zurück ins Akzent und zum 4.4.: Wenn Borchert über seine Koteletten spricht und dabei spontan eine Elvis-Imitation nachlegt, den Text von „Are You Lonesome Tonight“ aber nicht kann und daher neue Lyrics über seine Figur und seine neue CD formt, weiß man: hier ist ein großer Entertainer unterwegs, der wirklich zu unterhalten weiß - und ein toller Musiker. Bei der Zugabe setzt er sich gar selbst ans Klavier und liefert eine witzige Swing-Version von „Der letzte Tanz“, in die er Worte wie „Yeah, Sisi, Baby“ einbaut.

Theresa Steininger

Online am: 06.04.2009, © www.tanz.at