Adelige Fischerinnen |
Die zeitlose Handlung von Haydns Oper käme auch ohne Aktualisierung aus,
und die Musik ist ohnehin unsterblich. |
Le pescatrici, Wiener Kammeroper, 14.03.2009. |
Die Partitur der zu Haydns Lebzeiten erfolgreichen Oper fiel großteils einem Brand zum Opfer, die Kammeroper entschloss sich, die auf H.C. Robbins' anhand der vorhandenen Fragmente rekonstruierte Fassung zurückzugreifen und damit so nahe wie möglich, das Original zur österreichischen Erstaufführung zu bringen. Carlo Goldonis Libretto ist ja vollständig erhalten. Es erzählt die Geschichte eines Fischerdorfes, in dem ein Findelkind gesucht wird, um es seinem rechtmäßigen Erbe als Prinzessin zuzuführen. Das Mädchen muss identifiziert werden und freilich gibt es eine Reihe von Kandidatinnen, die sich adelig fühlen, schließlich gibt es aber eindeutige Beweise für die Richtige. Im Mittelpunkt der Oper steht aber das muntere Beziehungsdrama zweier (Fischer-)Paare.
Regisseur Peter Pawlik hat diese Geschichte um Betrug und Streben nach Höherem köstlich ironisch inszeniert und zeichnet sich in seiner Regie durch seine leichte Personenführung aus. Das Los der FischerInnen verlegt er von einem Dorf in eine Fischfabrik, ihre Jobs sind durch eine Finanzkrise gefährdet, wie Filmeinspielungen mit Szenen aus den 1920er Jahren und heute zeigen. Logisch, aber nicht unbedingt nötig, denn die menschliche Gier nach Geld und Prestige gibt es - damals wie heute - auch ohne Krise. Pawlik gibt diesen sozialdramatischen Anspruch im dritten Akt denn auch auf. Derek Weber hat den Text (in Übertiteln) sehr frei übersetzt, dabei sind ihm einige witzige Gags gelungen, manchmal hat er jedoch etwas weit über das Ziel hinausgeschossen und war eher der Inszenierung als dem Text verpflichtet. Sei's drum. Musikalisch ist die Aufführung jedenfalls hinreißend. Das junge Sängerensemble findet zu einem satten Chor zusammen, solistisch überzeugen vor allem Jennifer Davison, Auxiliadora Toledano als die Fischerinnen Nerina und Lesbina und José Aparicio als Frisellino sowie Alfred Werner als listiger Mastricco. Das Orchester der Wiener Kammeroper unter Daniel Hoyem-Cavazza spielte einen sehr erfrischenden, beschwingten Haydn. Der Heiterkeit des Abends kann auch das triste Bühnenbild (Maria Pavlova) keinen Abbruch tun.
Die letzten Vorstellungen gibt es noch am 17., 19. und 21. März.
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Edith Wolf Perez |
Online am: 16.03.2009, © www.tanz.at |