Ein Kampf gegen Windmühlen |
Mit einer Uraufführung eröffnete Ballettchefin Eva-Maria Lerchenberg-Thöny die zweite Ausgabe des Festivals "Tanzwelten" |
Don Quijote, Staatstheater Braunschweig, 07.03.2009. |
Das Festival Tanzwelten präsentiert auch heuer wieder eine beachtliche Auswahl an selten gesehenen Gruppen im Staatstheater Braunschweig. Zum Auftakt der spannenden Reise in verschiedene Tanzkulturen brachte Ballettchefin, Festivalleiterin und Choreografin Eva-Maria Lerchenberg-Thöny ihre Version von Don Quijote zur Uraufführung, in der der Ritter der traurigen Gestalt eine Revolte in einem Irrenhaus anführt. Die harmlosen Macken des Don Quijote (oder eines Irren, der glaubt, Don Quijote zu sein) machen ihn bald zu einem liebenswerten Hoffnungsträger in dem von Angst und Terror bestimmten Leben in der Anstalt, wo mitleidlose ÄrztInnen und PflegerInnen, die wie GefängniswärterInnen agieren, immer wieder hart durchgreifen und Ordnung schaffen. Wen Don Quijote berührt, erfährt Anerkennung und Liebe. Unter ihnen ist bald ein Sancho Panso gefunden, der ihm hilft die Pforten der Anstalt zu öffnen und den Weg in die Freiheit zu weisen. Lerchenberg-Thöny wählt als musikalische Vorlagen Penderecki für die bedrohlichen Aktionen, Telemans Don Quixote Suite für die Szenen mit Don Quijote, Gitarrenmusik von Tarrega und Vivaldi sorgen für spanisches Flair. Während die Choreografin also ein klares musikalisches Konzept verfolgt, das die unterschiedlichen Stimmungen unterstreicht, so bleibt der Tanz in ihrem unverwechselbaren, dramatischen Bewegungskanon zwischen Klassik und Graham stecken. Das Fehlen individueller, tänzerischer Differenzierung ist denn auch die Schwäche des Abends. Die einheitliche ästhetische Tanzsprache manifestiert sich im Corps der harschen Ordnungshüter ebenso wie in den Soli, in denen die TänzerInnen ihre Psychosen darstellen und dabei gar nicht wie harmlose Narren aussehen. Diese Rolle ist Don Quijote vorbehalten - dem Prototyp eines schwarz-weiß-sehenden Träumers. Günter Pick - der ehemalige Ballettdirektor am Münchner Gärtnerplatztheater ist für diese Rolle mit 65 Jahren auf die Bühne zurückgekehrt - stattet diese Rolle mit dem Gestus des verschrobenen Ritters aus wie man ihn aus der klassischen Ballettversion kennt. Und scheint damit den Intentionen Lerchenberg-Thönys die Handlung ihres Balletts auf eine realistische, gesellschaftspolitisch aussagekräftige Ebene zu heben, zu widersprechen. Insgesamt gelingen an diesem Abend denn auch die heiteren, hoffnungsvollen Gruppentänze am Besten, etwa wenn Don Quijote sich seinem Traum von einer heilen Welt hingibt, oder wenn die armen Irren aus ihrem Gefängnis entfliehen und den älteren Ritter mitziehen.
Das Festival Tanzwelten läuft noch bis 15. März.
www.staatstheater-braunschweig.de/zugabe/tanzwelten-2009/tanzwelten-2009-einleitung/.
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Edith Wolf Perez |
Online am: 10.03.2009, © www.tanz.at |