Ein bezauberndes Fest der Fantasie

Mysteriöse, mechanische Welten, überraschende Körpergespräche oder die rohe Energie junger Männer - der Tanz hat viel zu erzählen. Das zeigt auch dieses Jahr wieder das beliebte szene bunte wähne Tanzfestival für junges Publikum.

Tanzfestival für junges Publikum, Dschungel, Brut, WUK, 20. und 21.2.2009.

Seit 12 Jahren treffen sich beim Tanzfestival für junges Publikum jung und alt. Die künstlerische Leiterin Johanna Figl setzt bei ihrer Programmauswahl auf Vielfalt, und berücksichtigt so die unterschiedlichen Zugänge und (Alters-)Segmente ihrer anspruchsvollen Zuseher. Kids sind direkt, kennen die anerzogenen Höflichkeitsformeln im Theater nicht oder ignorieren sie einfach. Bei diesem Publikum müssen KünstlerInnen direkt andocken, aufgesetzte Verführungskünste verfehlen ihre Wirkung. An den ersten beiden Tagen des Festivals konnte man erleben, dass Interesse und Begeisterung dort aufkommt, wo Kunst und DarstellerInnen authentisch sind und großzügig Einblick in ihre Welt, ihre Fantasieen und ihre Kreativität erlauben.

Magische Liebesgeschichte
Mit seinem kleinen Maschinerietheater entführt der Musiker Antoine Birot in „Prophétie des Mécas“ in die grenzenlosen Möglichkeiten, die die Liebe seinem Helden (einem kleinen Drahtmännchen) zum erreichen seines Ziels - einer kleinen Tänzerin (eine kleine Spielpuppe) - eröffnet. In einem Labyrinth aus gurgelnden, quietschenden, quakenden und hupenden mechanischen Instrumenten geht der Verliebte auf dem Wasser, durchschwimmt den Ozean und umkreist laufend die Erde, bevor er die Angebetete in die Arme nehmen kann. Antoine Birot bedient seine bizarren musikalischen Konstruktionen im Halbdunkel, Licht und Ton reichen, um seine Miniaturgeschichte zu erzählen und das Publikum in seine magische Fantasiewelt zu ziehen. Eine wunderbare Überraschung, denn Birot sprang für die abgesagte Gruppe Skappa! ein.

Rennen bis zur Erschöpfung
Der Kontrast dieses poetischen Miniaturtheaters zum offiziellen Eröffnungsstück des Festivals konnte nicht heftiger ausfallen: In „Rennen“ stürzen sich ein Haufen (angeblich 21) junge Männer in einen Testosteron-geladenen Wettkampf. Gregory Caers & Ives Thuwis setzen dabei voll auf das natürliche Darstellungspotenzial der 8 bis 31-jährigen und treiben sie bis zur Erschöpfung. Der Titel ist Programm: Sie rennen, fallen übereinander her, brechen zusammen, manchmal werden sie aufgefangen, aber einer allein, kann die Massenohnmacht nicht kontrollieren. Eigentlich geht es gar nicht mehr ums Gewinnen, um besser, stärker, größer zu sein als der Andere. Die Bewegung wird zum Selbstzweck, steigert sich zur Endlosschleife, in der die Akteure sich verlieren, um umso stärker daraus hervorzugehen. Unvergesslich, der Tanz eines kleinen Burschen, der zum Beat von „Rebel, Rebel“ seine ganze Wut und Ohmacht aus sich herauszutreten scheint, um dann schwer atmend in die Gruppe zurückzukehren. Oder eines halbwüchigen Burschen, der sich im Disco Dance à la John Travolta vergessen zu scheint. Großartig physisch und gleichzeitig köstlich ironisch ist den Regisseuren von Kopergietery mit „Rennen“ wieder ein authentisches Bild jugendlicher Seinszustände gelungen.

Plaudern mit ganzem Einsatz
Das sprudelt, dieses „Geplauder“: mit Füßen, Händen und dem ganzen Körper kreiert das Duo Étandonné spritzige und perfekt umgesetzte, tänzerische Szenen. Französischer Charme und Esprit, Humor à la Tati umgeben dieses sympathische Duo, deren Gespräche die unendlichen Möglichkeiten der Körpersprache erschließen. Ein ständiger Wechsel von Stimmungen und Gefühlen entsteht in diesen kurzweiligen Unterhaltungen voller „Schlagfertigkeit“. Auch hier überzeugt die Natürlichkeit der Tänzerin Frédérike Unger und des Tänzers Jérôme Ferron, die ihre Welt den jungen Zuschauern mit Leichtigkeit eröffnen.
Diese fehlte der niederländischen Gruppe De Stilte trotz des ländlichen Ambientes, in dem die Produktion „Spielvögel“ spielt. Die gekünstelte Bewegungssprache und die dargestellten Beziehungskonflikte erweckten Anklänge an eine Zeit, als der moderne Tanz noch brave Geschichten erzählte. Bei allem Engagement, das man den Tänzerinnen gerne zugesteht, kann das Resultat nicht überzeugen. Ungeduld beim jungen Publikum bei diesem biederen Tanztheater.

Das Festival bietet noch bis 28. Februar jede Menge spannender Tanz-Begegnungen. www.sbw.at

Edith Wolf Perez

Online am: 22.02.2009, © www.tanz.at