Spitzenschuh und Rockmusik |
Tanzhommage an Queen ist eine tolle Show, tänzerisch aber teils langweilig. Die Wiederaufnahme an der Wiener Volksoper wurde vom Publikum gefeiert. |
Tanzhommage an Queen, Wiener Volksoper, 10.02.2009. |
Live-Konzertmitschnitte, in denen Freddie Mercury sein Bestes gibt, Lichteffekte, Rock-Rhythmen - da wird eine ganz schöne Show abgezogen, wenn in der Volksoper Tanzhommage an Queen auf dem Programm steht. Eindrucksvoll, aber auch eine gewisse Gefahr, denn der Ballettabend schrammt an der Grenze entlang, jenseits derer die Effekte den Tanz in den Hintergrund drängen. Ballettfreunden sei geraten, vor allem auf die Leistungen einiger großartiger Solisten zu schauen.
Vielseitigkeit
Tanzhommage an Queen, das zweistündige Stück von Choreograf Ben van Cauwenbergh, reiht Queen-Hits aneinander, die Einfälle Cauwenberghs sind dabei so vielseitig wie die Songs selbst. Manche Nummern sind darauf ausgelegt, in zirzensischer Manier tänzerische Schmankerln zu liefern, weitere sind lyrische, neo-klassische Pas de Deux (hier ist vor allem Love of my Life mit Maria Yakovleva und Mihail Sosnovschi hervorzuheben), andere wiederum zeigen, dass dem Ensemble auch jazzige Bewegungen und Rock´n´Roll liegen. Zu ein paar Liedern sind Cauwenbergh hauptsächlich Gestampfe, Arm-Strecken und Contractions eingefallen, schade, dass der Abend hier wegen oftmaliger Wiederholung langweilig wird.
.wobei auffällt, dass das Ensemble zu Rockbeats eher synchron ist als in vielen klassischen Balletten
.und dass man die klassische Basis natürlich in jeder Choreografie klar sehen kann. Auch Klamauk steht auf dem Programm - wenn Una Zubovic in I want to break free dem Ehemann die Zeitung zerfetzt (wohlgemerkt mit einem hohen Battement) und durch das Fenster mit George Clooney flirtet; oder wenn Vladmir Snizek in Damenkleidern zum Schwimmen stolpert. Geschmacksache. Witzig angelegt und durchaus unterhaltend ist der Bicycle Race, hauptsächlich auf Dmitrij Simkins rasant geschnittenem, im Augarten gedrehtem Video mit Tanz- und Radfahrelementen bestehend.
Schwieriges Erbe
Höhepunkt der Aufführungen der vorigen Saison war The invisible man mit dem Sprung-Genie Daniil Simkin (der im Herbst zum ABT nach New York ging und dessen breathtaking virtuosity die NYTimes erst kürzlich lobte). Richard Szabó tritt ein schwieriges Erbe an und kann Simkin nicht das Wasser reichen, bietet durchaus tadellose Drehungen und präzise, hohe Sprünge - an Energie und Ausstrahlung mangelt es ihm jedoch.
Stark und sexy
Liebling des Abends ist Karina Sarkissova, die zu A kind of magic exakten Spitzentanz und starken, sexy Ausdruck zeigt. Ihre Schlangenhaftigkeit (die durch das eng anliegende Schillerkostüm noch unterstrichen wird) und ihre musikalische wie technische Präzision lassen sie herausstechen. Mehr als solide Leistung gibt es auch von Gregor Hatala - gewohnt souverän zeigt er seine Vielfachdrehungen und Tour-Jetés, nur eben diesmal zu Rock-Musik - und Mihail Sosnovschi. Die guten Pas de Deux der beiden sind homoerotisch aufgeladen und von Melancholie geprägt (vor allem Who wants to live forever). Die Wiederaufnahme wurde vom Publikum enthusiastisch mit rund 10-minütigem Applaus bedacht.
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Theresa Steininger |
Online am: 15.02.2009, © www.tanz.at |