Das Schaf, die Kamera und ich

Willi Dorner spielt mit Original und Kopie

Dolly and me, Tanzquartier Wien, 11.12.2008.

Schauspielerinnen schlüpfen in Rollen, wechseln nicht nur die Hemden in Sekundenschnelle sondern auch den Gefühlsausdruck. Wenn dann das Mienenspiel per Videokamera auf die große Leinwand übertragen wird, ist nicht die Performerin (Satu Kristina Herrala) zu sehen, sondern eine fremde Person, quasi eine Doppelgängerin. Dorner treibt das Spiel noch weiter, in dem er auch die Zeit verschiebt. Bevor der reale Mann (Michael O'Connor) auftritt, sitzt er (auf dem Videoschirm) schon längst auf dem Sessel. Man kann sich auch Masken vors Gesicht halten, die Körperhaltung der Leinwandstars einnehmen, dann ist man Marylin Monroe, Dolly Buster, Mona Lisa oder Dolly, das Klonschaf. Wenn die Filmmusik aufrauscht - von Filmen, die jede kennt, ohne sie gesehen zu haben, Icons der Leinwandkunst eben -, dann bedarf es weder eines Kostüms noch der Maske, um im Publikum Bilder und Gefühle hervorzurufen. Und bald weiß dieses nicht mehr, ob die private Person oder die Rollenträgerin auf der Bühne steht. Privatheit ist ohnehin nicht mehr gefragt. Auch der Beginn eines intimen Abends wird abgefilmt und schnell auf You Tube gestellt, damit man sich nachher anschauen kann wie man ausschaut. Und die Welt kann sehen, dass auch Hans und Lise Stars sind.
Eine Performance zum Wohlfühlen mit viel Musik (arrangiert von Heinz Ditsch), überraschenden Déjà Vus und einer schicken Portion Witz. Auf 60 Minuten gedehnt, wird der Faden almählich dünn. Doch das mag auch an der Hohlheit der „echten“ Kopien liegen, die allenthalben durch die Straßen wandeln.

Ditta Rudle

Online am: 15.12.2008, © www.tanz.at