Nussknacker neu geladen |
Die Übersiedlung der Harangozó-Choreografie in die Volksoper ist gelungen. |
Der Nussknacker, Volksoper Wien, 23.11.2008. |
Der Nussknacker knackt nicht mehr. Nicht die Puppe, die Onkel Drosselmeyer der kleinen Marie schenkt, nicht der Prinz, mit dem sie im Traum tanzt, sondern die gesamte Choreografie von Gyula Harangozó, die im Vorjahr bei der Premiere an der Staatsoper wenig Zustimmung erhielt. Jetzt ist die Produktion für einige Aufführungen an die Volksoper übersiedelt und das hat ihr sichtlich gut getan. In neuem Licht wirkt der mit allerlei modernistischen Sperenzchen wie Spiderman und Roboter statt Zinnsoldaten als Weihnachtsgeschenk, aufgemotzte Ballett-Klassiker wieder märchenhaft und auch ein bisschen unheimlich, wie es sich die jungen Besucherinnen wünschen. Harangozó lässt die Musik, umsichtig und engagiert dirigiert von Guillermo Garcia Calvo, ihren von Peter Iljitsch Tschaikowski geplanten Lauf nehmen und hält sich weitgehenden an das originale Libretto gefiltert durch die Leningrader Choreografie von Wassili Wainonen von 1934. Die Idee, möglichst viele angehende TänzerInnen auftreten zu lassen, um den SchülerInnen der Ballettschule die Möglichkeit zu geben, Bühnenerfahrung zu sammeln, wirkt im intimen Ambiente der Volksoper weniger aufgesetzt, als bei der Staatsopernpremiere. Die Elevinnen sind mit Eifer dabei und tänzeln ohne falschen Tritt und Schritt unter dem Weihnachtsbaum. Besonders niedlich - und bei so winzigen Ballerinen, darf das gesagt werden - die bunten Schmetterlinge im 2. Akt. Aber auch die kleine Marie, Natascha Mair und ihr Bruder Fritz, Thukydides Vesely, konnten gefallen. Das gut studierte Ensemble - Schneeflocken und Walzerpaare aus der Staatsoper, Nationaltanzpaare aus der Volksoper - zeigte weniger Premierenfieber als das Prinzenpaar. Denys Cherevychko machte zwar eine hervorragende Figur als Prinz Nussknacker, elegant und geschmeidig, doch hatte sowohl er wie auch Partnerin Marija Kicevska mit kleinen Unsicherheiten zu kämpfen. Dennoch hat der 21jährige Cherevychko sein Debüt als Prinz bestanden - der Applaus bestätigte es ihm. Als zwielichtiger Onkel Drosselmeyer wirbelte Kirill Kourlaev mit sicheren Sprüngen über die Bühne. Auch Zuzana Kvassayova und Alexej Khludov konnten als Chinesisches Paar erfreuen, übertroffen nur noch vom Kasachok des russischen Paares (Veronika Henschová / Oleksandr Maslyannikov). So war dieser aufgefrischte Nussknacker trotz der für ein Märchen überflüssigen Aktualisierungen eine gelungen Premieren-Reprise. Weniger zufrieden war mein kleiner Begleiter Tim, dem die Creepies samt Creepyman (Shane A. Wuerthner) wenig gruselig erschienen. Vergeblich wartete er auf den Mäusekönig samt seinem Heer und auch echte silberne Schwerter hätte er lieber gesehen als so kindische Laserstaberl. Erwachsene wissen eben nicht immer, was Kinder wollen und die zierlichen Jungballerinen aus der Schule entzückten wohl auch eher die Mütter und Väter als ihre Altersgenossinnen. Zum wohlwollenden Schlussapplaus durfte sich auch das gesamte Orchester auf der Bühne verbeugen und das war eine schöne und durchaus berechtigte Geste. |
Ditta Rudle |
Online am: 25.11.2008, © www.tanz.at |