Ein Fest für Frieden und Versöhnung |
Jubelnder Applaus und eine Ehrenmedaille für Wera Goldman |
Berührungen - Benefizgala für Wera Goldman, Odeon, 22.10.2008. |
Sie bezeichnet sich selbst als Wiener Kind und musste ihre Heimatstadt doch verlassen. Während die Eltern 1938 nach Australien reisten, wollte die 18jährige Wera Goldman nach Palästina gehen. Für mich war's kein Exil, es war eine Alijah, ein Aufstieg, sagt sie im Interview mit Anita Pollak (Kurier). Nach mehr als 50 Jahren fern der Heimat nahm sie eine Einladung nach Wien an und besucht seit dem ihre Geburtsstadt immer wieder. Als Tänzerin, Choreografin und diesmal auch als Ehrengast einer Benefiz-Gala für Wera Goldman, der letzten Vertreterin der Wiener Tanztradition vor 1938. Es war ein Fest. Nicht nur weil Goldmans sprühende Lebensenergie die Herzen erwärmte, ihr ausdrucksstarker Tanz - ja die 87jährige steht noch auf der Bühne, schön, jung und bezaubernd - das Publikum begeisterte, sondern auch weil ein abwechslungsreich gestaltetes Programm einen vielfarbigen Abend garantierte. Da kamen Künstler und Künstlerinnen, die Wera Goldman persönlich kennen und verehren und streuten kleine Geschenke auf die Bühne: Liz King, Sebastian Prantl, Barockspezialistin Margit Legler, die in Wien lebende indische Tänzerin Radha Anjali und der Komponist Bruno Liberda mit seinen mechanischen Spielwerken. Eröffnet wurde der Abend im prallvollen Saal der ehemaligen Wiener Getreidebörse mit der Rekonstruktion (Rose Breuss nach Labannotation) des Solos Totengeleite von Rosalia Chladek, getanzt von Eva Selzer. Selzer, noch von Chladek ausgebildet, ist in ihrem grauen Kleid tatsächlich diese Karyatide der Trauer, wie einst ein Kritiker die Chladek nannte. Lina Maria Venegas, Mitglied des Serapions-Ensembles aus Kolumbien, ehrte mit ihrem Solo Quintin Lame ebenso den 1967 verstorbenen kolumbianischen Kämpfer für die rechte der indigenen Bevölkerung wie Wera Goldman, die sich mit lebhaftem Interesse mit der Tanz- und Bewegungstradition fremder Kulturen auseinander gesetzt hat. Den Bogen zum heutigen Tanz in Wien zeigten die beiden blutjungen Tänzerinnen Mira Kapfinger und Dorothea Zeyringer mit einem Ausschnitt aus ihrer preisgekrönten Choreografie Bausteine. Wera Goldman wollte mit diesem Abend auch an ihre Lehrerin Gertrud Kraus erinnern, die jungen Künstlerinnen erinnerten an die Kindheit. Beeindruckend und auch bedrückend beendete Sharon Booth den ersten Teil des Abends mit Bert Gstettners Interpretation der Todesfuge. Die Performancekünstlerin Diamanda Galás hat das Gedicht von Paul Celan (unmittelbar nach dem Holocaust 1947 entstanden) vertont und mit Stimme und Orgel live aufgeführt. Gstettner verwendet eine Aufnahme, um Celans Text, Galás' Stimme und Booths Tanz hart gegeneinander zu schichten. Der zweite Teil war ganz der Ehrung der Tänzerin Goldman gewidmet. Martina Haager tanzte Sara im Zelt, eine Choreografie, die Goldman 2001 für sie erdacht und mit ihr einstudiert hat. Mit humorvollem Elan und blitzenden Augen führte Goldman souverän selbst in das Stück ein. Martina Rösler, eben erst der Konservatorium Wien Privatuniversität entwachsen, zeigte mit einem jungen Ensemble ihre Abschlussarbeit Halt [ ]. Ein beachtliche, schöne Choreografie über Balance und Stabilität, über Begegnung und Annäherung. Endlich aber der Höhepunkt des Abends: Wera Goldman betritt die Bühne und tanzt den 23. Psalm Davids Der Herr ist mein Hirte, eine Choreografie, die sie als Friedensbotschaft für die jüdische, christliche und muslimische Gemeinschaft sieht. Ihre mitreißende Bühnenpräsenz und die jugendliche Ausstrahlung lassen vergessen, dass Wera Goldman schon eine alte Dame ist. Zum in Hebräisch, Deutsch und Arabisch gesprochenem Text und ebensolcher Musik vereinen sich Martina Haager und Serkan Bozkurt mit der großen Tänzerin zum Versöhnungs-Trio, das Goldman mit unwiderstehlichem Charme mit der Einladung an ZuschauerInnen zum Kreis erweitert. Der tosende Applaus und die Hochrufe für die Tänzerin und die Persönlichkeit Wera Goldman, machen ihr sichtlich noch mehr Freude als die anschließend durch Gemeinderat Ernst Woller überreichte Ehrenmedaille der Stadt Wien. Auch beim anschließenden Buffet beweist Goldman ihre überbordende Lebenslust und selbstbewusste Energie. Ein festlicher Abend, ein Ehrenabend für eine eindrucksvolle Persönlichkeit, der sich jeglicher Kritik entzieht.
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Ditta Rudle |
Online am: 23.10.2008, © www.tanz.at |