Himmel und Hölle

Adam und Eva suchen ihr Paradies und finden vor allem eine Toncollage.

Paradise Lost - Exit Eden, Tanzquartier Wien, 02.10.2008

Am Anfang waren Adam und Eva und dann kam der Teufel und machte ihnen das schöne Leben im Garten Eden kaputt. Erkenntnis ward gewonnen, das Paradies verloren.
Die Geschichte wird immer wieder erzählt, von den Dichtern und Malern, Komponisten und nun auch von der Choreografin Rose Breuss. Gemeinsam mit dem Musiker und Komponisten Hannes Löschel hat sie eine Collage für acht TänzerInnen, eine vielköpfige Musikergruppe und allerlei elektronische Equipment entwickelt. Uraufgeführt wurde die Paradiesgeschichte bei den Bregenzer Festspielen 2008 und dort auch mit hymnischen Kritiken bedacht.
Auf dem Weg von der Werkstattbühne in Bregenz zur Halle G im Museumsquartier muss jedoch einiges an Spannung und Sinnlichkeit abhanden gekommen sein. Irgendwie erschien mir das Paradies schon verloren, bevor die Szenenfolge mit einer an Haydns Schöpfung (Orchestereinleitung: „Die Vorstellung des Chaos“) erinnernde Klanginszenierung am Orgelpositiv ihren Anfang nahm. Da halfen auch die nach William Blake und John Milton von Peter Ahorner samt eigenen Wörtern eingerichteten Texte nicht.
Zuviel der Elemente! Lauscht man der den Ohren schmeichelnden Musik - beruhigend und aufregend, rockig und klassisch, himmlisch und höllisch, live und aus der Konserve (Sound-Design Florian Bogner) -? Oder setzt man sich mit dem (oft in fremder Sprach erklingenden) Text auseinander? Oder soll man sich ganz auf die großartigen TänzerInnen, Adam, Eva, Teufel und Engel zugleich, die, oft synchron oder gespiegelt, im Duett ein vielschichtiges Bewegungsvokabular (vom Ballett bis zum Ausdruckstanz) zeigen, konzentrieren? Je nachdem wo der Fokus liegt (und die Musik hat da die besten Chancen), verlieren sich die anderen Puzzleteile an den Rändern.
Der Titel gibt einen ungefähren Anhaltspunkt für eine mögliche Interpretation (die Bibel darf als bekannt vorausgesetzt werden, auch wenn Milton und Blake dies nicht unbedingt sind) und so sieht man die Paare sich anziehen und abstoßen, sich verirren und verführen lassen auf der Suche nach dem verlorenen Paradies. Schuldzuweisungen gibt es keine, Adam tanzend ist Eva, Eva tanzt Adam und alle sind wieder Teufel. Mann und Frau sind von den gleichen Sehnsüchten gebeutelt, das zeigt Rose Breuss in der wunderbaren Übereinstimmungen der Bewegungen von Mann und Frau und Ausstatterin Monica Gross in den in sanften Farben gehaltenen Kostümen.
Mann und Frau sind aber auch zwei Gegenpole, die einander (vergeblich?) suchen. Dementsprechend waren auch die MusikerInnen auf der Bühne verteilt. Zwei Ensembles sitzen einander gegenüber, das live spielende Ensemble Plus und ein elektronisch verstärktes Jazzensemble. Und deren Präsenz war letztlich dann doch überbordend, zumal die Tänzer / innen auch noch vor das Mikrofon treten und singen. Ein Musikstück also habe ich gehört mit Tanz und Text.

Ditta Rudle

Online am: 13.10.2008, © www.tanz.at