Eine Freude, eine Wonne

Giorgio Madia beherrscht barocke Sinneslust.

La Guirlande, Zéphyre, Wiener Kammeroper, 11.10.2008.

Die Wiener Kammeroper produzierte mit den barocke Einaktern “La Guirlande” und “Zéphyre” von Jean-Philippe Rameau, ein Raritätenprogramm. Dass ein Regisseur / Choreograf für die beiden Werke an einem Abend derart differenzierte Inszenierungen bieten kann, ist vielleicht einzigartig.
Giorgia Madia ist das vollends geglückt und er beweist einmal mehr seine große, genre-übergreifende Musikalität.
Sein Credo lautet: “Ich nähere mich an das Werk wie immer mit dem Ziel an, der Musik zu dienen und sie zu stärken, dem Komponisten vollen Respekt angedeihen zu lassen und die Absicht, mit der das Werk geschaffen wurde, ins rechte Licht zu setzen. Für das Libretto gilt dasselbe, auch wenn es unvermeidlich durch meine beruflichen Erfahrungen und Fertigkeiten gefiltert wird.”
Und genau das hat er mit „La Guirlande“, dem Seitensprung-Dramolett im Hirtenmilieu und den göttlichen Verführungskünsten in „Zéphyre“ gemacht. Die Ausstattung stammt von Cordelia Matthes. Ein weißes, mit Rundungen schwungvoll ausgelegtes Bühnenbild, aus dem mobile Hocker ausgefahren werden, und einige Vorhänge werden in beiden opéras-ballets unterschiedlich, aber jeweils optimal genützt: die höheren Ebenen in „Zéphyre“, der Boden in „La Guirlande“. Die Kostüme könnten jedoch in beiden Stücken nicht unterschiedlicher sein: weißer Voile-Togas für die Hirten, sexy, goldene Kleider und Anzüge für die Nymphen und die Göttin Diana bzw. für den Gott Amor und die Zephire.
Die pfiffige Regie, die den Witz der episodenhaften Barockopern betont, wird von ausgezeichnete KünstlerInnen umgesetzt, allen voran die GesangssolistInnen Diana Higbee, Erik Leidal, Marelize Gerber_und Liudmila Shilova und die TänzerInnen Katja Juliana Geiger,_Adriana Mortelliti,_Corneliu Ganea_und Martin Zanotti. Wo Tänzer und SängerInnen gemeinsam auftreten, agieren sie als wären sie ein homogenes (Tanz-)Ensemble. Diese Integration macht denn auch die große Stärke der Inszenierung, und kommt dem ursprünglichen Gedanken dieser Ballettopern wohl sehr nahe.

Weitere Vorstellungen: 21., 23., 25. Oktober 2008
www.wienerkammeroper.at

Edith Wolf Perez

Online am: 13.10.2008, © www.tanz.at