Wachgeküsst?

Erstmals präsentierte sich die Grazer Tanzszene gemeinsam in einem Festival.

Tanz Start klar!, TTZ Graz, 04. und 05.09.2008.

"Tanz Start klar" - ein griffiger Titel für ein erstes, kleines, zweitägiges Festival, das am Beginn einer für das Grazer, das steirische freie Tanzgeschehen nahezu sensationellen Entwicklung zu stehen scheint - oder steht (?!):
Eine neue Generation will tanzen, will Platz dafür und Aufmerksamkeit - diese affirmative, geradezu trotzige Ankündigung fand in überraschend positiver Weise Gehör:
Bei jungen, ambitionierten, aber bislang eher verborgenen, zum Großteil noch kaum (in dieser Weise) an die Öffentlichkeit getretenen TänzerInnen; denn da war zu Sommerbeginn für Kurzentschlossene (mit biographischem Bezug zur Region) ein einmaliges Angebot der Steirischen Kulturinitiative: finanzielle Unterstützung und Know-How für einen Bühnenauftritt im Herbst zur Verfügung zu stellen; nach deren schnell getroffener und notwendiger quantitativ-qualitativer Auswahl begannen auch schon die Probenarbeiten; zum Großteil im TTZ, womit wir bei Punkt zwei der Affirmation sind: „Platz!“. Diesen stellte unter der Bezeichnung „TTZ Tanzsommer“ spontan der geschäftsführende Leiter dieses Zentrums zur Verfügung; und zwar im Rahmen einer für den als schläfrig zu bezeichnenden Zustand der Grazer Tanzszene gedachten „Initialzündung“ im Frühjahr, organisiert von Das andere Theater und Minoriten Tanz.
Was bis zuletzt offen blieb, war die Aufmerksamkeit, das Interesse des Grazer Publikums: Würde es kommen? Es kam! - so zahlreich, dass am ersten Abend einige nach Hause geschickt werden mussten; aber auch am zweiten Abend hieß es: ausverkauft! Und: unter den Gästen waren u.a. neben dem Kulturstadtrat und dem Leiter des Kulturamtes auch die Leiterin des TQW, des Steirischen Herbstes und die Tanz Kuratorin von brut, Wien.
Alles Fakten, die bis Dato in der Grazer freien Tanzszene unbekannt waren!
Die insgesamt aus sieben Programmpunkten bestehenden zwei Präsentations-Abende waren von unterschiedlichem, aber durchwegs beachtenswertem Niveau, in Inhalt und Form von überaus großer Bandbreite.
Am ersten Abend überraschte und begeisterte besonders die spartenübergreifende, grundsätzlich am ehesten dem Tanztheater zuzuordnende Produktion „tom waits until it's over“ von und mit Elisabeth Cartellieri und Christine Scherzer durch ihre kreative Ungewöhnlichkeit und feine Ironie.
Zu erwartend schräg-gekonnt sorgte am zweiten Abend Christina Lederhaas
für eigenwillige Unterhaltung; das von Vera Neubauer und Anna Majder vorgeführte „Double Bind“ lässt gespannt sein auf weitere Produktionen.

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Eveline Koberg

Online am: 08.09.2008, © www.tanz.at