Chiffren der Lebensturbulenzen |
Das bewährte und von vielen geschätzte Festival mit seiner Kombination von Aufführungen und Workshops und andere Grazer Projekte |
17.Bühnenwerkstatt, 17.Int.Tanztheaterfestival Graz, Theater im Palais der Kunstuniversität Graz, 06.-17.07.2008 |
... und es bewegt sich doch ... das eine oder andere, was einmal eine richtige Grazer Tanzszene werden könnte!
Im Rahmen einer, zu Jahresbeginn von das andere Theater initiierten, bislang zweiteiligen Veranstaltungsreihe, FOKUS GRAZ TANZ (unterstützt und in Kooperation mit Minoriten Tanz), zur Situation des freien Tanzes in Graz, formierte sich eine kleine Gruppe Tanzengagierter.
Im März bereits stand fest, dass unter dem Namen tanzplatzgraz ein Netzwerk aufgebaut werden sollte; eines, das allen mit dem Tanz Verbundenen offen stehe und eine gemeinsame, informative und kommunikative Plattform darstellen könnte.
Im Mai wurde der erste Newsletter verschickt – die 9.Ausgabe machte soeben die Runde: es mangelt also weder an Inhalten noch an Interesse.
Im Juli wurde eine gut aufgebaute und informative Website, www.tanzplatzgraz.info, ins Netz gestellt.
Für September ist ein erster „Tanztisch“ geplant, ein regelmäßig geplantes Treffen zwecks direkten Austauschs.
Davor aber, und bestens bewährt seit vielen Jahren gab es die 17.Bühnenwerkstatt, 17.Int.Tanztheaterfestival Graz.
Traditionell hoffnungslos überfüllt die Eröffnung - nichtsdestoweniger heiter-gut die Atmosphäre; erwartungsvolles Brodeln bezüglich des in kleinen Ausschnitten vorgestellten Programms (sowohl der Werkstatt als auch des Festivals) der folgenden Tage. In wohl organisiertem, dichtem Ablauf (lange Reden wurden ausgeschlossen) konnte man sich ein gutes Bild machen von der zu erwartenden, eine bunte Palette darstellenden Auswahl zeitgenössischen Tanzgeschehens. Als Draufgabe kennen zu lernen war auch der aktuelle Stand der choreographischen Arbeit des Artists in Residence, Tomas Danielis: Sie hat sich zu einer eigenständigen, homogenen Kreation entwickelt, deren Handschrift kantigen, aber auch witzigen Charakter zeigt.
Sehr zu begrüßen, dass nun auch bei diesem Festival eine Schiene für junge Choreographen eröffnet wurde; wohl wissend, dass, wie sich auch tatsächlich bestätigte, das Publikumsinteresse für derlei weniger groß ist- ungerechtfertigt. Denn dieses Angebot lohnt sich allemal, für beide Seiten.
Vorgestellt wurde der mit dem deutschen Solotanzpreis ausgezeichnete Jianan Qu: an Hand einer eigenwillig-poetisch strukturierten Choreographie, die wohl kaum jemanden unberührt ließ; und seinem Solo It is a cooked thing, einem zarten, sich viel Zeit nehmenden Herantasten der Bewegungen an ein fiktives Gegenüber
Die Soloperformance (mit Live-Musik) der indischen Tänzerin Hina Saroyini ließ zwar authentische Hintergründe erahnen, bot aber de facto eine etwas unglückliche Adaptierung an westliche Thematik und Formensprache (Liebeswerben um die Musiker).
In jeder Hinsicht differenziert und anregend das vierteilige Programm am Samstag: Vorweg eine durchaus mutige, passagenweise zeitgenössischem Ballett verpflichtete und vom Choreographen Frey Faust hier auch schon einmal gezeigte Bewegungsstudie; diesmal getanzt von Tomas Danielis, der allerdings bei seiner Interpretation nicht weit über eine tänzerisch korrekte Wiedergabe hinauskam. Von ganz anderer Intensität die von Frey Faust präsentierte Structured Improvisation: glitzernd perlten Bewegungssequenzen, Befindlichkeiten über die Bühne. Humorvoll eben so wie berührend emotional sein Pas de deux mit der springlebendigen, reizenden Francesca Pedulla aus Italien. Von mitreißender, lebensfroher, ab und an auch melancholischer, insgesamt ungewöhnlicher Faszination das dramatische Spiel um impossible desires, persistent failure
von Frey Faust und seinem Schüler T.Danielis. Ein in seiner immensen Energie und Authentizität mehr als herausragendes Erlebnis - wohl nicht nur für die Zuseher.
Ganz im Gegensatz dazu basiert Elio Gervasis Choreographie SEIKES zwar auf einer originellen Grundidee, allein, es fehlte ihr recht bald an Bühnen-Stärke so wie an griffiger tänzerischer Umsetzung, an Transportablem der zweifellos gegebenen Gedankenwelten.
Abschluss und Höhepunkt der künstlerischen Abendvorstellungen war der Auftritt der italienischen Cie. Spellbound mit einer Interpretation der Carmina Burana: Tanztheater pur - in seiner geradezu bestmöglichen Umsetzung: denn kongenial reichen sich bei dieser Truppe exaktes technisches Können und genuine choreographische Dichte die Hand; leichtfüßig getragen von einem Bewegungsfluss der zumeist geradezu atemberaubenden Geschwindigkeit - Chiffren der Lebensturbulenzen.
Nach der am jeweils letzten Abend stattfindenden, mehrstündigen Werkschau – ein immer viel besuchtes und –beklatschtes Ereignis -, kehrte bislang über Monate für die Off Szene die große tänzerische Leer ein; bis dann, immerhin, seit nunmehr 7 Jahren tanz schritt weise im Kulturzentrum bei den Minoriten einem an Zeitgenössischem interessierten Publikum kontinuierlich ein Programm anbieten konnte.
Alle Aktiven aber befanden sich während des Jahres nichtsdestotrotz weitgehend in einem Loch.
Bis jetzt, denn - ebenso entstanden bei der eingangs erwähnten FOKUS GRAZ TANZ – Veranstaltung – einer der Leiter von TTZ - Tanz & Theater Zentrum Graz - bot an, das Zentrum im Sommer der off-Tanzszene unentgeltlich zur Verfügung zu stellen: für Produktionen und persönliche, eigenorganisierte Trainings.
Aber schließlich blieb es nicht einmal nur allein dabei: kurzfristig hatte sich die Möglichkeit ergeben, im Rahmen dieses TTZ-Tanzsommers eine Produktion zu erarbeiten, die Anfang September einem größeren Publikum gezeigt werden könnte. Angesprochen wurden dabei junge Tanz-KünstlerInne, die einen biographischen Bezug zu Graz/Steiermark haben und bislang noch keine Produktion in größerem Rahmen zeigen konnten bzw. in einem solchen aufgetreten waren.
10 Gruppen bzw. Solisten meldeten sich auf Grund dieses Aufrufes – der Großteil von ihnen wird Anfang September kennen zu lernen sein.
Info: www.tanzplatzgraz.info |
Eveline Koberg |
Online am: 30.07.2008, © www.tanz.at |