Von der Adria an die Donau |
Ismael Ivos Spagat zwischen der Biennale von Venedig und Impulstanz Wien |
Biennale 6th International Festival of Contemporary Dance, Venedig, 14. bis 29.06.2008. |
Kaum hat Ismael Ivo als Chef des Biennale-Tanzfestivals in Venedig zugesperrt, macht er dem Tanz in Wien als künstlerischer Berater von Impuls die Türen auf. Ein Kraftakt, wie ihn wohl nur ein Unermüdlicher schafft, der aber auch zu delegieren versteht. Letzteres tat er sehr offensichtlich in Venedig - nicht ausschließlich zum Vorteil des Festivals mit seinen architektonisch großteils atemberaubenden Bühnen. Auf diesen sah man heuer unter dem unverfänglichen Titel Beauty - mehr als sonst bei der Biennale üblich - Konventionelles, etabliertes Schönes und konnte man dort, wo Avantgarde (aus Italien, wie etwa das Balletto Civile, Spellbound oder Mauro de Candia, fast alle mit klassischen Ballettwurzeln) angesagt war, so manch seltsame Überraschung erleben. Wie Letizia Renzinis (ursprünglich als Koproduktion mit dem Impulstanzfestival geplante) multimediale Aufbereitung des Lubitsch-Stummfilms Die Puppe: Das gut einstündige Werk La bambola di carne entpuppte sich als unausgewogenes Gesamtkunstwerk mit einigen spannenden ästhetischen Ansätzen und fantastischem Sound (mit Renzini selbst am Pult), in erster Linie sah man aber den Originalfilm! Der - sehr gute - Tanz (Marina Giovannini) beschränkte sich auf wenige Minuten des gut einstündigen Abends. Neben der löblichen Initiative Choreografic Collisions zur Präsentation junger italienischer ChoreografInnen verließ sich Ivo auf große Namen und deren Compagnien wie Stephen Petronio oder Alonso King's Line und die allein schon durch das von ihnen gegründete Tanznachwuchsnetz d.a.n.c.e. eng kooperierenden Frédéric Flamand (das Ballet National de Marseille kam immerhin mit neuem Stück: Métamorphoses), Angelin Preljocaj und Wayne McGregor. Dessen Ensemble Random Dance mit Entity eindrucksvoll seine Qualitäten zeigte. Da konnten (am selben Abend) weder Tänzer noch Ideen von Preljocaj mithalten: Die Studie (mehr ist es nicht) Larmes Blanches, fast 10 Jahre alt, ging zu grauenhaft elektronisch vergewaltigter Barockmusik über die Bühne; und auch das nachfolgende Eldorado hatte zu Stockhausen wenig Markantes zu bieten, die Tänzer wenig Power und Fantasie in den langen Improvisationsteilen zwischen schönem Anfangs- und Schlussbild. Insgesamt bleibt der fast immer ausverkaufte Tanz der Biennale aber dennoch etwas Besonderes, schon allein mit dem Ambiente kann es kein anderes Festival aufnehmen. tanz.at-Fragen zu seiner Biennale-Zukunft, aber auch zum laufenden Festival wich Ismael Ivo in Venedig beharrlich aus - aus welchen Gründen auch immer. |
Andrea Hein |
Online am: 15.07.2008, © www.tanz.at |