Missglückte Begegnung

Hochkarätige Gäste bei „Onegin“ in Wien: Polina Semionova, Vladimir Malakhov und Tamás Solymosi. Ein wirkliches Fest konnte mit der Geschichte von der vergeblichen Liebe in John Crankos Choreografie trotzdem nicht gefeiert werden.

Onegin, Wiener Staatsoper, 29.04.2008.

Immer noch garantiert Vladimir Malakhov eine ausverkaufte Vorstellung, zumal die Geschichte von der vergeblichen Liebe der scheuen Landpomeranze Tatjana zum St. Petersburger Schnösel Eugen Onegin und der Umkehrung des Verlangens nach einigen Jahren (Onegin liebt jetzt Tatjana vergeblich) schon zu Herzen gehen kann. Doch Malakhov ist nach seinen schweren Operationen noch immer nicht in alter Form und konnte Schwäche und Unsicherheit auch nicht durch emotionale Kraft wettmachen. Sein Lenski blieb blass, hatte nichts von der anfänglichen Leichtigkeit des verliebten Dichterlings, auch wenn er im vor dem Duell ängstlich erahnten Tod wunderschön stirbt und aufrichtiges Bedauern auslöst. Der Onegin Tamás Solymosis konnte schon eher begeistern. Zwar stelzt er zu Beginn etwas steif daher, doch das könnte auch als einfühlsame Rollengestaltung gedeutet werden. Schließlich fühlt sich der Herr aus der Stadt nicht wirklich wohl im von Madame Larina (Dagmar Kronberger) gepflegten ländlichen Ambiente. In den beiden großen Pas de deux mit Tatjana aber zeigt Solymosi dann tänzerische Hochform, ist zuerst der hochnäsige Frauenheld aus der Stadt und am Ende nur noch ein wimmerndes Bündel, das von der gereiften Tatjana gebieterisch aus dem Schlafzimmer gewiesen wird. Polina Semionova ist nicht allein der Größe wegen eine ebenbürtige Partnerin für Solymosi. Auch in den technischen schwierigen Passagen begeistern beide als harmonisches Paar und manch eine Zuschauerin mag bedauert haben, dass Onegin und Tatjana nicht zusammen kommen können. Semionova gibt der Tatjana viele Facetten, zeigt sie als verträumte kleine Gelehrte und unbeschwert Verliebte, als tapfer die Demütigung ertragende Abgewiesene, um nach der Heirat mit Gremin (Wolfgang Grascher) zur angesehenen, ihre Gefühle kontrollierenden, Dame zu reifen. Auch Maria Yakovleva als Olga konnte begeistern und wäre nicht einiges Chaos und viel Schlamperei im Corps zu beseitigen, etwa durch intensiveres Proben, würden diesmal die Damen den Lorbeer verdienen.
Im kommenden Dezember wird es eine Serie von „Giselle“-Aufführungen geben. Dann wird Vladimir Malakhov wieder völlig hergestellt sein und - so ist zu hoffen - in einer oder der anderen Vorstellung als Albrecht, die gewohnten Begeisterungsstürme ernten.

Ditta Rudle

Online am: 07.05.2008, © www.tanz.at