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Die 3. Tanztage Burgenland brachten am ersten Abend sehr unterschiedliche Tanzprojekte aus Linz, Graz und Oberwart auf die Bühne.

3. Tanztage Burgenland, OHO Oberwart, 01.05.2008.

Das Experiment scheint gelungen. Liz Kings D.ID - Dance Identity in Burgenland nimmt immer mehr Formen an. Das ganze Jahr über bietet sie das OHO und ihr Studio für Residenzen an, die sowohl bekannte Persönlichkeiten als auch junge NachwuchskünstlerInnen in Anspruch nehmen. Zum dritten Mal gingen heuer die Tanztage Burgenland im OHO Oberwart über die Bühne und zwei der drei gezeigten Stücke am Eröffnungstag sind Ergebnisse des Residenzprogramms.
Weiter westlich, in Linz, baut Esther Linley kontinuierlich an der dortigen Tanzszene. Fixpunkt ist die postgraduale Compagnie xIDA, die im Burgenland Stephanie Cummings erste Choreografie, „Rodeo Queens“ zur Vorpremiere brachte.
Cummings ist als charismatische Tänzerin bei Chris Harings „Liquid Loft“ bekannt, der mit seinen vergnüglichen Zerlegungen des Körpers und seiner Bewegungen einen eigenen Stil kreiert hat. Nun, da Cummings ihre eigenen Stücke macht, wird augenscheinlich, dass sie ebenso sehr Autorin wie Interpretin ist. Jedenfalls verwendet sie mit den Tänzerinnen von x.IDA die gleiche skurril-verquere Bewegungssprache und zeigt damit ebensoviel Persönlichkeit wie Haring in seinen Arbeiten. Da robben die Tänzerinnen in tierähnlichen Positionen über die Bühne, posieren in schrillen Outfits, deklamieren Texte, die durch ihre Intonation zu Sprechgesang werden und die Banalität der Aussagen, wie sie in so manchen Performances gemacht werden, ad absurdum führen. „Rodeo Queens“ ist eine höchst unterhaltsame Reise in die Welt des Bewegungs- und Körperexperiments, das von den x.IDA Mitgliedern überzeugend übersetzt wird.
Catherine Guerin und Liz King erarbeiteten mit der D.ID. Company ein neues Stück, "Dummy Landscape" mit Claire Granier und Miikka Ryytti - zwei ehemaligen StudentInnen von Laban London. Zentrales Element ist ein wunderbarer Pas de deux, der von parallel laufenden Soli abgelöst wird. Zwei Choreografinnen, zwei Handschriften - noch ist das Stück im Rohzustand, fehlen Verbindungslinien. Die Verbindung schaffen allein die TänzerInnen durch ihre intensive Bühnenpräsenz.
Für diese ist auch Christina Medina bekannt. Die gebürtige Kanadierin mit Wohnsitz in Graz versucht gerade ihren Einfluss in der dortigen Tanzszene geltend zu machen und hat mit @tendance-Tanztheater eine Plattform für professionellen zeitgenössischen Tanz in der steirischen Region ins Leben gerufen. Ihr neues Solo „A Line Drawn“ wurde während einer Residency im OHO in Zusammenarbeit mit Liz King/D.ID erarbeitet. Der Ausgangspunkt ist Artikel 2 der Vereinbarung zwischen Kanada und den USA über den Grenzverlauf. Zwischen den beiden Staaten wird eine Linie gezogen, definiert von Längengraden und geografischen “landmarks”. Der rechtliche Text steht in krassem Widerspruch zur offensichtlichen Verwirrung, mit der sich die Tänzerin im Raum bewegt, von einer Ecke in die andere hetzt, sich von oben die Richtung diktieren lässt. Ein verrückt gewordenes Navi-System? Das Scheitern des Individuums vor rechtsstaatlichen Vereinbarungen? Vielleicht. Medinas gewohnt emotionale und eindringliche Tanzsprache zerschellt am abstrakten Ansatz.


Edith Wolf Perez

Online am: 07.05.2008, © www.tanz.at