Vom Kampf im Ring des Lebens

Zehn Jugendliche und vier TänzerInnen stellen sich dem alltäglichen Konkurrenzkampf. „Fight Night“ ist energiegeladenes Tanztheater und authentische Auseinandersetzung mit dem Kampf um Anerkennung und Aufmerksamkeit.

Fight Night, Dschungel, 04.04.2008.

Ob eine „Dancing Star“ werden will oder bei „Starmania“ gewinnen, immer geht es darum, die anderen zu übertrumpfen, auszutricksen, wegzudrängen. Wettbewerb und Konkurrenzkampf prägen das Leben schon im Kindergarten. „Wer läuft am schnellsten? Wer macht das schönste Muttertagsherz?“ Verlieren, versagen, hinten bleiben darf keine, sonst ist sie out. Jede und jeder muss sich dem Kampf stellen, sonst gibt es Liebesentzug.
Nach einer Idee des Kinderbuchautors Heinz Janisch entwickelte die Choreografin Karin Steinbrugger gemeinsam mit ihrer Kollegin Martina Haager das Tanzstück „Fight Night“, indem sich zehn Jugendliche (GymnasiastInnen zwischen 16 und 19 Jahren) dem Thema des täglichen Konkurrenzkampfes auseinandersetzen. Mit vier TänzerInnen der Company homunculus zeigen die SchülerInnen in zehn knappen Runden, wie hart und nicht immer erfolgreich, der Fight im Ring des Lebens, der alltägliche Wettkampf (um Liebe, Job, Aufmerksamkeit und Erfolg) ist. Steinbrugger und Haager haben eine abwechslungsreiche Choreografie mit Soli, Duos und Ensembleszenen geschaffen, die nicht nur durch die Autenzität und den ungebremsten körperlichen Einsatz der Mitwirkenden sondern auch durch Witz und Rasanz unterhalten und begeistern. Ständig sind die 14 KämpferInnen in Bewegung, der Bühnenraum wird bis ins letzte Eck genutzt und die unterschiedlichen Talente haben reichlich Gelegenheit, sich zu präsentieren. Nicht nur der bewegte Körper ist den Jugendlichen Medium, sondern auch das Mienenspiel, zeigt, dass jede(r) Einzelne voll in der individuellen Rolle aufgeht.
Voraussetzung für diese rundum gelungene Aufführung, die ohne Zeigefinger und Moralpredigt auskommt, sondern einfach Tanztheater am roten Faden bringt, ist sicher die eingehende Research- und Probenphase. Ein ganzes Jahr hatten die Jugendlichen Zeit, regelmäßig zu trainieren und mittels Improvisation, ihre Vorstellungen und individuellen Aussagen zum Thema in die Choreografie einfließen zu lassen. Im vergangenen Herbst wurden dann die ausgewählten Szenen zu einem Stück verdichtet. Die eigentliche Probenphase konnte beginnen. Hoch anzurechnen ist den Mitgliedern von homunculus (Amadeus Berauer, Kun-Chen Shih, Andrea Stotter, Natalie Trs) und den mitwirkenden Mädchen und Burschen (wenn die durchtrainierten Jugendlichen überhaupt noch so zu apostrophieren sind), dass die Gruppe bruchlos zusammentanzt, das, was thematisiert wird, nicht passiert: Niemand ist ein Star, auch wenn sich der friedliche Kreis durch Boxen, Stoßen und Rempeln schnell zum Chaos auflöst. Oder besser gesagt: Alle sind sie Stars dieser geglückten Aufführung.

Weitere Aufführungen: 7., 8., 9. April, 10.30 Und 19.30 Uhr im Dschungel.

Ditta Rudle

Online am: 07.04.2008, © www.tanz.at