Schonungslose Körperlichkeit |
Ohad Naharin schlägt mit Max neue Töne an und treibt den Tänzerkörper an seine Grenzen. |
Max, Tanzquartier Wien, 30.03.2008. |
Es beginnt mit den Tänzerinnen im tiefen Plié, besser: in tiefer Hocke, aus der sie auf das linke Knie fallen (autsch!) und dieser Auftakt leitet eine Körperarbeit ein, die an die Grenzen des Machbaren geht. Manche der Körperpositionen und Bewegungssequenzen könnten von einem Designer mittels passendem Computerprogramm entworfen worden sein - unmöglich, meint man, der menschlichen Anatomie widersprechend. Möglich, sagt der Choreograf Ohad Naharin. Und seine zehn superben TänzerInnen geben ihm Recht. Max also für maximale Bewegungsauslotung. Das wäre an sich nicht abendfüllend, ginge es nicht um mehr als körperertüchtigende Übungen. Bei Naharin spielt aber auch in diesem Extrem-Stück das Thema Kollektiv versus Individualität eine entscheidende Rolle. Max könnte also auch der Name des kollektiven Körpers sein, wenn sich die TänzerInnen in perfektem Unisono über die Bühne bewegen, oder eine Standbild mit Handgesten abgeben - Gruppenszenen, die sich durch das nachfolgende kurze Blackout im Gedächtnis einbrennen. Max kann aber auch für den Sound von Maxim Warrat (aka Ohad Naharin) stehen, der aus einer Kunstsprache einen eindringlichen Klangteppich knüpft, dem die Tänzergruppe am Ende einen kräftigen Chor entgegenschmettert.
Großartig sind an diesem Abend vor allem die TänzerInnen, die sowohl solistisch stark sind und gleichzeitig ein starkes, homogenes Ensemble bilden. Viele von ihnen haben ihre Lehrjahre in der Batsheva-Juniorcompagnie absolviert, und sind mit Naharins Körpersprache bestens vertraut. Sie halten die Aufmerksamkeit, wo die Choreografie durch Wiederholungen und wenig dynamischen Wechsel eintönig zu werden droht. Andererseits geht mit diesem Stück auch der Choreograf und langjährige Leiter der israelischen Vorzeige-Gruppe Batsheva Dance Company eindeutig neue Wege, verzichtet mittlerweile völlig auf tanztheatralische Elemente und verschreibt sich voll dem körperbetonten Bewegungsexperiment. Ein interessanter und viel versprechender idiomatischer Wechsel. |
Edith Wolf Perez |
Online am: 31.03.2008, © www.tanz.at |