Geglückte Wiedergeburt |
Im Odeon gab es die erste szenische Aufführung der Barockoper Alcione von Marin Marais nach 237 Jahren. |
Alcione, Odeon Wien, 12.03.2008. |
Die Ausgrabung hat sich ausgezahlt, denn die Musik und die Arien von Alcione sind ein musikgeschichtliches Juwel. Ein guter Auftakt für das Odeon Neu, das damit seine neue künstlerische Ausrichtung als Mehrspartenbetrieb mit Musiktheater, Tanz und nonverbalem Theater einleitete. Die Geschichte der Alcione ist barock verwirrend, die Handlung kreist zwischen irdischen Liebesleiden und -freuden und göttlichen Interventionen, zwischen Traum und Wirklichkeit, zwischen Leben, Tod und Wiederauferstehung. Nikolaus Harnoncourt hat seine mobile Inszenierung mit sparsamen Mitteln realisiert. Die Säulenhalle des Odeon Theaters, der ehemaligen Getreidebörse Wien, bleibt als Bühnenraum offen, die Seitenbühnen werden zu Aktionsräumen. Auch das Orchester, das Armonico Tributo Austria unter der Leitung von Lorenz Duftschmid wird im Raum mehrmals umgesetzt. Musikalisch war dieser Abend in mancher Hinsicht eine wunderbare Entdeckungsreise. Das Ensemble spielte glanzvoll und in der jungen Sängerriege gab es das eine oder andere Talent zu entdecken, etwa die Russin Svetlana Smolentseva, die mit ihrem dunklen Timbre und ihrem unschuldigen Spiel als Titelheldin bezauberte. Johannes Weiß und Steffen Rössler überzeugten als ihre beiden Verehrer, der Bräutigam Ceix bzw. der unglücklich verliebte und verschmähte Pélée. Bemerkenswert auch Martina Prins und Bernd Lambauer in Mehrfachrollen. Der Chor der J.J.Fux-Magrigalisten und das Serapions Ensemble agierten an diesem Abend mit engagiertem Gesang und Spiel und gaben der tragischen Liebesgeschichte mit einem Happy End im Jenseits den nötigen komödiantischen Touch. Mit Ulrike Kaufmann und Erwin Piplits als Ausstattungsteam ist es quasi selbstverständlich, dass es bei den Action-Szenen so richtig schön krachte - mit Lichteffekten, Windmaschinen und heftigem Gedonner. Für die Festszenen hätte man sich etwas mehr Farbe gewünscht, war doch die Ausstattung ganz auf schwarz/weiß und gedämpfte Erdfarben getrimmt. Die empfehlenswerte Vorstellung ist noch sechs Mal bis 30. März im Odeon zu sehen. Als Rahmenprogramm gibt Lorenz Duftschmid am 29. März ebendort ein Solokonzert.
www.odeon-theater.at
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Edith Wolf Perez |
Online am: 17.03.2008, © www.tanz.at |