Skizzen und Versuche

Junge Choreografinnen und bewegungsfreudige TänzerInnen zum erquicklichen Abschluss von Szene Bunte Wähne

Los Pepinos, Aut.Dance und x.IDA, Dschungel und brut, 27.02. und 01.03.2008.

Die Strahlkraft des heuer zum 11. Mal gefeierten Szene Bunte Wähne Festivals (Tanz für junges Publikum) und vor allem die der renommierten Gäste ist dann besonders zu sehen, wenn die heimischen Gruppen (bewegungsfreudige Laien und angehende Profis) auftreten. Was sie alle eint, ist die Ernsthaftigkeit ihrer Arbeit und die ins Publikum überspringende Dynamik.

Los Pepinos
Eine besonders gelungene Arbeit legten Clara Wannerer und Elisabeth Hofstetter (Studierende im 4. Ausbildungsjahrgang an der Abteilung Pädagogik für Modernen Tanz der Konservatorium Wien Privatuniversität) vor. Die beiden jungen Choreografinnen haben mit 27 Jugendlichen (Mädchen und Buben) aus der Neusprachlichen Mittelschule im 20. Wiener Bezirk, ein „Sportstück“ entwickelt. Los Pepinos, so nannten sich die SchülerInnen, zeigten „Spielstand“, ein den Raum und das unterschiedliche Können der Jugendlichen gut nützendes Stück über die einende Kraft des Sports. Dreißig energiegeladene und unterhaltende Minuten, die daran erinnern, dass Fußball und Tanz nicht so weit voneinander entfernt sind. Schließlich machen britische Fußballer ein Balletttraining, um zu lernen, ihre Bewegungen besser zu koordinieren und möglicherweise auch eleganter über den Rasen zu fegen. Nicht zu sehen war die enorme Arbeit und das Einfühlungsvermögen, die es bedeuten Heranwachsende unterschiedlicher kultureller Herkunft (11 Muttersprachen) im schwierigen Alter zwischen 12 und 15 bei der Stange zu halten, sie zu regelmäßigem Training und schließlich einem öffentlichen Auftritt zu ermutigen. Wenn die im September begonnen Arbeit von Wannerer und Hofstetter eine Prüfung war, dann haben sie mit Auszeichnung bestanden.

Quivive und Dudzinska & Knapp
Beim Wettbewerb für jungen Choreografen und Choreografinnen hat die Tanzkompanie „Quivive" (5Absolventinnen der Tanzwerkstatt Wien) im Vorjahr ex aequo mit dem Choreografinnen-Duo Dudzinska & Knapp mit dem Entwurf zu „Geheimlich“ gewonnen. Im Rahmen des Nachwuchsprogramms Aut.Dance zeigten sie die verlängerte Version, einen Versuch über geheime Träume und Sehnsucht nach Selbstbestimmung, in fröhlichem Springen und Rennen zu Live Musik. Betreut hat die 5 jungen Frauen der Performer und Clown Frans Poelstra. So geriet das Stück zu einer Pantomime die vor allem durch wilden Klamauk unterhält. Ganz vergessen haben Poelstra und seine Schützlinge, dass sie für Fünfjährige arbeiten wollten. Die fragten dann auch nach der Prinzessin und konnten mit einer perfekt über die Bühne brausenden Motorradkavalkade wenig anfangen. Für Vorschulkinder sind 45 Minuten auch zu lang, zumal der Handlungsfaden etwas dünn geraten ist. Über die verzeihlichen Schwächen dieses Erstlingswerkes trösteten jedoch die Musiker (Benjamin Segal, Gitarre, Posaune; Vincent Pongracz, Klarinette; Lukas Dittami, Kontrabass und Robert Duda, Percussions) hinweg. Sie erzählten mit Rhythmus und Melodie auf ihre Weise vom Hunger nach Freiheit und dem Widerstand gegen Zwängen. Einfallsreich und akzentuiert ergänzten sie unterstützend die Bewegungsperformance .
Wie erfolgreich einfühlsames und vorsichtiges Coaching sein kann, zeigten Dudzinska &Knapp, die von Janni Van Goor, einer Choreografin aus der Genter Kopergietery geleitet worden sind. Gemeinsam mit Daniela Strobl und Stefanie Wieser zeigten die beiden tanzenden Choreografinnen ein dreißigminütiges Erdbeben. „Earthquake - and how we moved on“ ist eine intensive, berührende und für die Zielgruppe der 14jährigen jede Menge Identifikationspunkte bietende Studie über das Heranwachsen, die Suche nach Identität, das Schwanken zwischen Unsicherheit und Ichbewusstsein. Julia Dudzinska und Anna Knapp lassen bereits eine eigenes, differenziertes Bewegungsvokabular erkennen und überzeugen durch Authentizität. Viel versprechend, ist das Epitheton, das auf die angehenden Choreografinnen „Dudzinska & Knapp“ passt.

x.IDA
Mit zwei Skizzen erzählte die postgraduale Kompanie aus Linz x.IDA, womit sich junge Choreografinnen (wer sagt mir, wo die Männer sind?) so beschäftigen. Anna Müller ließ fünf Tänzerinnen durch die Großstadt wandeln. Im reizvollen Lichtdesign von Thomas Hinterberger reihten sich Solis und Duos aneinander, doch so recht warm konnte ich mit der noch unfertigen Choreografie nicht werden. Mehr Erfahrung hat Stephanie Cumming, Leadtänzerin und Gründungsmitglied von Liquid Loft, der Tanzkompanie Chris Harings. Sie beschäftigt sich mit der Möglichkeit der Neudefinition des Individuums, etwa nach einem Flugzeugabsturz, wenn das Gedächtnis gelöscht worden ist. Mit Humor, Ironie und dem Mut zu unkonventionellen Gebärden, Bewegungen und Stellungen weiß Cumming in ihrer ersten eigenen Choreografie „Rodeo Queens“ Zeichen zu setzen, die in Erinnerung bleiben. Das angedeutete Stück lebt von der Präzision der fünf Tänzerinnen und dem Gleichklang ihrer raschen Bewegungen. Dass so manche Sequenz an ihre eigenen Auftritte bei Liquid Loft erinnert, soll kein Vorwurf sein.

Ditta Rudle

Online am: 03.03.2008, © www.tanz.at