So wars damals in der WG |
Sasha Waltz feiert 15 Jahre Compagnie mit der Wiederaufnahme ihrer ersten Stücke |
Travelogue I/ Twenty to eight, Tanzquartier Wien, 18.02.2008. |
Mit dem ersten Teil der Trilogie Travelogue Twenty to eight eroberte Sasha Waltz & Guests 1993 mit einem Schlag das Berliner Publikum. 1994 erhielt die Compagnie dafür den Kritikerpreis der Berliner Zeitung und den 2. Preis des internationalen Choreografen-Wettbewerbs in Groningen. Von da an ging's bergauf - europaweit (nur nicht in Wien). Nun hat die Choreografin und Tänzerin Sasha Waltz ihren Tanz um den Esstisch - der Schauplatz ist eine bunte Küche mit schiefen Wänden - einer neuen TänzerInnengeneration übergeben und gastiert zum ersten Mal auch in Wien. Fünf BewohnerInnen, drei Frauen, zwei Männer, hausen in der Wohngemeinschaft und benehmen sich so, wie man sich erinnert, dass es in Wohngemeinschaften zugeht: Kampf um den Inhalt des Kühlschranks, gegenseitiges Belauern und Belauschen, erotische Verwirrungen, Streit und Versöhnung. Sasha Waltz arbeitet mit aggressiven Gesten, lässt der Sinnenlust freien Lauf (in der besprochenen Aufführung wird das aufregende Sexspiel am und auf dem Esstisch von Edivaldo Ernesto aus Mosambik dominiert) und bricht allzu behagliche Romantik abrupt mit Ironie und Humor. Das Stück glänzt wie neu, ist präzise gearbeitet und überrascht durch eine Fülle von Einfällen und den vollen Einsatz der TänzerInnen (in Wien verblüffte der hier lebende ungarische Tänzer Ákos Hargitay mit einer akrobatischen Leistung als Mauerkletterer). Frappierend auch die rhythmische Synchronleistung im Duett oder Quintett. Deutsche Zeitungen jubelten das Stück (eigentlich ein Stückerl) nach der Wiederaufnahme zum Klassiker hoch, das halte ich für zuviel des Lobes. Diese parodistisch getanzte Lebensform der Wohngemeinschaft, gibt es nicht mehr (auch wenn StudentInnen heute gemeinsam in einer Wohnung leben ist die Organisation eine ganz andere) und wenn auch die Erinnerung daran verschwunden ist, wird man den Sinn dieser vergnüglichen Szenen kaum noch verstehen. Die Freude an den perfekt in Bewegung umgesetzten Emotionen und dem spielerischen Einsatz der bestens trainierten Mitwirkenden bleibt wohl, auch wenn sich der Ausgangspunkt in weiter Ferne verliert. Geblieben ist auch die Sicherheit, sich in dieser guten Stunde nicht gelangweilt sondern, im Gegenteil, köstlich amüsiert zu haben
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Ditta Rudle |
Online am: 20.02.2008, © www.tanz.at |