Brutale Spiele der Liebe |
Jochen Ulrich lässt das Freundespaar Dalí und Lorca mit dem Mond tanzen. |
Lorca und Dalí, Linzer Landestheater, 17.02.2008. |
Im Programmheft erklärt Jochen Ulrich, seit der vergangenen Saison Ballettchef am Linzer Landestheater, warum er sich immer wieder mit dem Dichter Federico García Lorca und dem Maler Salvador Dalí beschäftigt: Die beiden und die Musik der iberischen Halbinsel haben seine künstlerische Arbeit entscheidend geprägt. Deshalb stellt er auch Dichter und Maler (nach Innsbruck und Herleen für das Euregio Tanz Forum) als Variation zum dritten Mal auf die Tanzbühne. Mag aber auch sein, dass Ulrich (und auch sein Mitschöpfer Fabrice Jucquois) spürt, dass er das sich selbst gestellte Thema der innigen Freundschaft und ihres Auseinanderdriftens durch eine Frau (Gala), aber auch durch die unterschiedliche politische Orientierung der beiden Männer, nicht wirklich bewältigen kann. Auch diesmal nicht. Am Ende stirbt Lorca. Warum ist nicht klar. Vielleicht aus Schmerz, weil Dalí sich von ihm ab- und Gala zugewandt hat. Doch dieser trauert, splitternackt, um seinen Freund und bedeckt ihn mit Galas rotem Kleid. Erklärung habe ich dafür keine. Ulrich arbeitet (gemeinsam mit Jucquois) mit Symbolen und Metaphern, lässt den Mond als Eros und Zauberer auftreten und auch die Schatten der Freunde. Dalí hat auch einen Dämon und einen selbstständig tanzenden rechten Arm (den ich leider nicht identifizieren konnte). Um der schwer erzählbaren Materie einigermaßen Struktur zu geben, haben Ulrich und Jucquois die beiden Akte in zahlreiche Szenen unterteilt, die einen (im Programm erzählten) Inhalt vorgeben. Aber wie stellt man dar, dass Dalí mit Hilfe seines Dämons in seinem Atelier nach neuen Ideen sucht? Der Beginn allerdings ist konkreter, Männerfreundschaft, Männerliebe, brutale Spiele, bei denen gestoßen und geworfen, getreten und geboxt wird. Große Gesten, viele Hebungen, schöne Pas de deux der Männer, verschwommene, oft abgebrochene Bewegungen der Frauen - Jochen Ulrichs Tanzsprache ist kräftig, ausufernd, pathetisch, oft sogar schwülstig. Die beiden Protagonisten machen gute Figur. Matej Pajgert ist ein sensibler Lorca mit Sprungkraft und darstellerischem Talent. Martin Dvo_ák tanzt den exzentrischen Maler als derben Gegenpart, mehr Fleisch als Geist. Beeindruckend Alexander Novikov: Als La Luna ist er nicht nur nahezu dauernd auf der Bühne, sondern auch im ständigen Wandel. Mal Clown mal Bösewicht, dann wieder Friedensstifter und Samariter. Bemerkenswert auch das karge Bühnenbild von Alfio Giuffrida. Der in Köln lebende Bildhauer hat die Kölner Originalausstattung von Ulrichs Ballett Lorca y Dalí, perros de Luna verwendet. Vermutlich weil sie unübertrefflich ist. Kein spanisches Lokalkolorit, sondern eine leere Bühne in deren Hintergrund vier als Treppen geformte metallene Stelen in den Himmel ragen, um die die Tänzer herumgehen können. Je nach dem ob diese Elemente frontal (1. Akt, der auf Lorca fokussiert ist) oder in Seitenansicht angeordnet sind (im 2. Akt erinnern sie an Dalis Schubladenbilder), ergeben sich fantastische Licht- und Schatteneffekte, die mitunter mehr aussagen, als die in rascher Folge aneinander gereihten Tanzszenen.
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Ditta Rudle |
Online am: 20.02.2008, © www.tanz.at |