Kein Chaos im Ensemble |
Auch eine Repertoirevorstellung kann glänzen. |
Manon, Wiener Staatsoper, 24.01.2008. |
Eines der erfolgreichsten Handlungsballette, Kenneth MacMillans 1974 uraufgeführte Manon, ist mit unterschiedlicher Besetzung zur Zeit an der Staatsoper zu genießen. In den ersten zwei Aufführungen tanzte Maria Yakovleva die Titelpartie, Robert Tewsley gastierte als unglücklicher Liebhaber Des Grieux. Ein wirklich perfektes Paar sind sie nicht, ist doch Tewsley, Danseur noble wie er im Buch steht, in seiner Gefühlspalette beschränkt und anfangs, wie schon in den letzten Aufführungen, die er den Des Grieux in Wien getanzt hat, ziemlich steif. Erst im letzten Akt, wenn er den Tod seiner als Prostituierte deportierten Geliebten beweint, kann er überzeugen. Dominiert von Tewsleys perfekter Technik, hat es Maria Yakovleva schwer, der zwischen Liebe und Gier schwankenden Manon, Leben einzuhauchen. Doch schon im zweiten Bild, in Des Grieuxs ärmlicher Wohnung samt Riesenbett, entwickelt sie im perfekten Spitzentanz und den lasziven Armbewegungen ihren hinreißenden Charme. Bei den Hebefiguren schwebt sie wie eine Flocke nahezu über den Partner hinaus. In den Pas de trois - immer wieder ist Manon zwischen zwei Männern, zwei Welten, hin und her gerissen - zeigt die Yakovleva mit Geschmeidigkeit und perfekter Linie wie fein sie Rolle und Technik beherrscht. Kirill Kourlaev ist ein zurückhaltender, sicher tanzender Lescaut, was sich besonders in der Szene als Betrunkener in Madames Salon angenehm bemerkbar macht. In ihrem Rollendebüt als Lescauts Geliebte, ist ihm Ensemblemitglied Nina Poláková durchaus ebenbürtig. Denys Cherevychkos bestechend akrobatische Einlage als Bettlerkönig (1. Bild) ist bereits die Regel und wurde dementsprechend beklatscht. Kevin Rhodes dirigierte animiert und rücksichtsvoll, so dass an diesem Abend das Corps de ballet (vor allem in den Massenszenen) einen geordneten und gut studierten Eindruck vermittelte. Auch die Kurtisanen (neu im Quintett: Dagmar Kronberger, Iliana Chivarova und Brenda Saleh) tanzten und spielten mit Animo und Präzision. Der 2. Akt mit den geschickt in die Gruppenszenen eingebundenen Duetten war diesmal wohl wirklich so, wie Choreograf MacMillan ihn sich vorgestellt hat. Alles in allem eine sehr ordentliche Repertoirevorstellung.
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Ditta Rudle |
Online am: 30.01.2008, © www.tanz.at |