Fulminantes Debüt

Vladimir Malakhov spornte Ensemble und SolistInnen zu Höchstleistungen an.

Die Bajadere, Wiener Staatsoper, 23. und 26.12.2007.

Mit der Wiederaufnahme des von Vladimir Malakhov (nach Marius Petipa) choreografierten Balletts „Die Bajadere“ hat das Ballett der Wiener Staatsoper und Volksoper einen unerwarteten Beweis seiner Qualität geliefert. Zu verdanken ist das Malakhov, der seine Adaption des Ballettklassikers aus dem 19. Jahrhundert sorgfältig und liebevoll einstudiert und mit den SolistInnen und dem Corps (nahezu alle tanzten die Choreografie zum ersten Mal) intensiv gearbeitet hat. Ein Beweis, dass es im Ensemble weniger an Talenten mangelt, als an idealistischer, hingebungsvoller Führung.
In den beiden nahezu gleichwertigen Vorstellungen tanzten Ensemblemitglieder mit jeweils einem erfahrenen Gast die Solopartien. Die unvergleichliche Polina Semionova (Berlin) war am 23. Dezember Nikia, die Bajadere, die den Krieger Solor liebt, ihn aber nicht heiraten kann, weil dieser die Radscha-Tochter Hamsatti ehelichen muss. Semionova ist eine technisch perfekte Tänzerin, mit langen grazilen Armen und einem biegsamen Oberkörper. Nahezu ätherisch schwebt sie in Solors Arme und lässt es ob all der technischen Finessen nicht an darstellerischem Ausdruck mangeln. Ensemblemitglied Olga Esina feiert ihr Debüt als Gegenspielerin Hamsatti und kommt mit dem dramatischen Part (und rasend gedrehten Pirouetten) gut zurecht. Großartig anzusehen, wie die beiden Rivalinnen im 2. Akt aufeinanderprallen und mit Klauen und Zähnen um den Geliebten kämpfen. Als Solor macht allerdings Vladimir Shishov nicht so besonders gute Figur. Schlapp, etwas unsicher und oft abwesend, ist er nicht gerade ein tapferer Krieger, den es zwischen Liebe und Pflicht zerreißt, sondern eher ein nervöser etwas ängstlicher Knabe. Erst der Gast der 2. Vorstellung, Leonid Sarafanov (St. Petersburg), zeigte, was die Rolle des Solor an Grand Jetés und frappierenden Hebefiguren hergibt. Seine perfekte Technik und das energische Spiel reißen auch seine Partnerinnen, Maria Yakovleva als Hamsatti und Aliya Tanikpaeva als Nikia, mit. Beide tanzten ihre Rollen zum ersten Mal, so ist es nicht verwunderlich, dass sie gegen Ende der anstrengenden Partien Ermüdungserscheinungen zeigen. Der Jubel des Publikums war ihnen dennoch sicher.
Nicht nur Sarafanov sondern auch das Corps de ballet zeigte vor allem in den geschmeidigen Armbewegungen immer wieder Malakhovs Einfluss. Wenn auch im Corps noch so manche Uneinheitlichkeit zu sehen ist. so erschienen die Herren vor allem und auch die Damen (natürlich im berühmten Schattenakt mit ihren weißen Tutus) bestens einstudiert in lang nicht gesehener Harmonie. Mihail Sosnovschi gibt die Rolle des Fakirs nicht ohne Witz und Denys Cherevychko überzeugt in seiner Einlage als Goldener Gott mit Sprungkraft.
So gab es eigentlich nur einen Wermutstropfen in den Vorstellungen. Eigentlich war es ein ganzer Wermutssee, der da aus dem Orchestergraben aufstieg. Dirigent Michael Halász hudelt die Musik von Ludwig Minkus taktlos herunter und hatte bei der Premiere auch noch mit den Unzulänglichkeiten der Instrumentalisten zu kämpfen. Statt Melodien drangen vor allem Qietsch- und Misstöne aus dem Graben. In der 2. Vorstellung am 26.12. waren feinsinnigere Musiker am Werk, die mit Geigen und Trompeten etwas Atmosphäre erzeugen konnten. Im Juni 2008 (11., 25., 29.) wird die Neueinstudierung wiederholt, Zeit genug für den Dirigenten, die Partitur zu studieren.

Ditta Rudle

Online am: 28.12.2007, © www.tanz.at