Ein Glücksfall |
Darrel Toulon choreografierte Gluck in Klagenfurt |
Orfeo ed Euridice, Stadttheater Klagenfurt, 13.12.2007. |
Mehr Tanz als in den letzten Jahren dürfte es im Stadttheater Klagenfurt unter Josef Ernst Köpplinger, Nachfolger des verstorbenen Intendanten und Nestroy-Preisträgers Dietmar Pflegerl, geben. Auf dem ersten Spielplan steht zwar noch kein eigener Tanzabend, doch lassen tanzbetonte Produktionen und die Biografie des Musicalmannes Aufgeschlossenheit gegenüber der aus Klagenfurt praktisch verschwundenen Sparte hoffen. Immerhin holte er für die Inszenierung von Glucks Orfeo ed Euridice durch Michael Sturminger den Grazer Ballettchef Darrel Toulon mit zehn Tänzern an sein Haus. Ein echter Glücksgriff, denn auch ambitionierte Regiearbeit konnte das an sich fade Musikwerk nicht packend machen. Toulon jedoch setzte seine Tänzer, wie von Gluck (oft umsonst) gefordert, handlungstragend ein, als perfekte Ergänzung der Sturminger-Idee, Euridice als Tänzerin (beeindruckend tänzerisch angedeutet und gesungen von Anna Kowalko neben Orfeo Daniel Belcher) auf die Bühne zu schicken. Auch wenn es choreografische und interpretatorische Schwachpunkte gab, konnte doch so manch überraschende Lösung gefallen: Wenn sich Furien und Monster aus den Federn des Unterweltbettes wanden oder Euridices Freunde im elysischen Ballettsaal an der Stange trainierten. Bei dieser und auch bei den übrigen himmlischenweißen Szenen hätte man sich stilistisch mehr Klarheit gewünscht; da wo es Ansätze gab, traten allerdings die technischen Schwächen, vor allem der spitzenbeschuhten Tänzerinnen, zu Tage. Attraktiv und gut getanzt der Schluss als rückgespulte Handlung im Zeitraffer.
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Andrea Hein |
Online am: 17.12.2007, © www.tanz.at |