Das Berliner Staatsballett tanzt wieder Jerome Robbins

Wiederaufnahme von "The Concert", "Afternoon of a Faun" und "Fancy Free".

Jerome-Robbins-Ballettabend, Staatsoper unter den Linden, 16.11.2007.

Mit Jerome Robbins ist der Meister der amerikanischen Unterhaltungskunst mit drei seiner Piecen wieder im Repertoire des Staatsballetts. Untrennbar ist sein Name mit dem Broadway und dem amerikanischen Musical verknüpft, bekannt ist ganz besonders neben „Fiddler on the Roof“ auch „West Side Story“ zur Musik von Leonard Bernstein, das rechtzeitig zum 50.Geburtstag des Werkes in der Originalchoreografie auf Welttournee ist und immer noch boomt. Mit mehr als 60 Stücken hat der Sohn jüdischer Einwanderer seinen fixen Platz unter den großen Tanzschöpfern des vergangenen Jahrhunderts. Zunächst war Robbins Tänzer, doch bereits seine erste Kreation „Fancy Free“ war ein riesiger Erfolg. Weitere bekannte Piecen aus seinem Oeuvre sind die „The Cage“ oder „Dances at a Gathering“.
Der Ballettabend in der Staatsoper unter den Linden beinhaltet drei sehr verschiedene Stücke, denen allen Ausdrucksvielfalt, technische Präzision, hohe Musikalität und feine Beobachtungen des täglichen Lebens, vor allem von zwischenmenschlichen Beziehungen gemeinsam sind.
Zum Einstieg steht „The Concert“ als getanzte Karikatur verschiedenartiger Typen, wie sie weltweit vorkommen können, auf dem Programm. Mit humorvoller Ironie werden kurzweilige, rasch aufeinander folgende Sequenzen gezeigt, die beinahe ins Groteske abschweifen, wenn das Schmetterlingsballett letztendlich von der Pianistin mit dem Fangnetz gejagt wird: köstlich, wie Marita Mirsalimova im wahrsten Sinne des Wortes „mitspielt“ - und nicht nur den Chopin im Klavierspiel perlen lässt, sondern Teil der Inszenierung ist. Da findet sich die Diva, der schüchterne Jüngling, das Ehepaar, das sich nichts mehr zu sagen hat und viele andere Charakterstudien. Mit Verve präsentieren sich solistisch Elena Pris, Viara Natcheva, Leonard Jakovina, Michael Banzhaf, Mariane Joly, Martin Szymanski, Sergej Upkin, Arshak Ghalumyan, Alessandra Pasquali und Johanna Hwang.
Bei Robbins´ Version von „Afternoon of a Faun“ ist nichts vom damaligen Skandalstück der Uraufführung mit Vaclav Nijinsky als Faun geblieben. Zwar geht es auch hier um Beziehung, aber die Selbstliebe von zwei Künstlern, die wie zufällig in einem Ballettsaal zur Probe aufeinander treffen, verliert sich ebenso belanglos wie sein zart gehauchter Kuss ihre Wange berührt. Beatrice Knop und Wieslaw Dudek sind die beiden exquisiten Tänzer, deren kurzes Miteinander folgenlos bleibt.
Den Abschluss bildet „Fancy Free“. Drei Matrosen auf Landurlaub suchen die Bekanntschaft junger Damen zum Zeitvertreib. Als Ballett nur mit Minimalhandlung versehen, ist dieses Sujet als Kinofilm mit Gene Kelly nach dem Musical „On the town“ sicher noch in bester Erinnerung. Als lässig-coole Jungs überzeugen Sergej Upkin, Leonard Jakovina und Ibrahim Önal, die heiß begehrten Damen sind Viara Natcheva, Mariane Joly und Soraya Bruno.

Ira Werbowsky

Online am: 28.11.2007, © www.tanz.at