Revival eines Klassikers

"West Side Story. Das Original" ist noch bis 11. November in Wien zu sehen

West Side Story, Wiener Stadthalle, 30.10.2007.

Es war ein Dreamteam, das das Musical „West Side Story“ 1957 zur Uraufführung brachte. Leonard Bernstein schrieb unvergessliche Songs und eine Musik, die zwischen Klassik, Pop und Jazz oszilliert. Jerome Robbins inszenierte die Romeo-und-Julia-Geschichte rasant und gefühlvoll und schuf komplexe Choreografien, die mit der Musik eine perfekte Partnerschaft einging. Arthur Laurents schrieb das dramaturgisch schlüssige Buch und siedelte die klassische Liebesgeschichte im New York seiner Zeit an, Stephen Sonderheim verfasste die gehaltvollen, poetischen und witzigen Texte, das Bühnenbild aus Stahl und Holz, das eines der typischen Slumviertels von New York City abbildete war für damalige Verhältnisse theater-revolutionär.
Zum 50. Geburtstag wurde nun das Original rekonstruiert, die Regie und Choreografie wurde von Joey McKneely wiederbelebt. Das Bühnenbild und die Kostüme (Paul Gallis, Renate Schmitzer) lehnen sich ebenfalls an die ursprünglichen Entwürfe an.
Der Cast, mit dem diese Produktion nach Wien kommt, das sind ausgezeichnete TänzerInnen und MusicaldarstellerInnen. Die rasante Choreografie (jaja, großteils bis heute) ist gut geprobt - freilich, die Frische, die das Werk einst versprühte, ist ziemlich verblasst. Aber vielleicht weckt die Bezeichnung „Das Original“ falsche Hoffnungen, denn wohl keine Produktion kann heute dem Mythos gerecht werden.
„West Side Story“ ist ein Meilenstein in der Geschichte des Musicals und Zeugnis der kreativen Kraft, die damals in Amerika blühte wie sonst nirgendwo. Bis heute sind die musikalische Komplexität und die abwechslungsreiche Choreografie für dieses Genre verblüffend. Schließlich erzählt die Geschichte von Maria und Tony nicht nur das Romeo-und-Julia-Drama neu, sondern verkörpert auch ein Stück amerikanischer Zeitgeschichte, die heute nicht mehr einzuholen ist.
Dennoch ist es verwunderlich, dass man die Hauptrollen nun mit einem Sänger und einer Sängerin aus dem Opernfach besetzte. David Curry sang zwar schön, war aber so steif und brav, dass er eher wie ein Statist wirkte (der immer wieder seine Bodenmarkierungen suchte) als wie ein feuriger Liebhaber mit randalierender Vergangenheit in der Bande der Jets. Davinia Rodriguez gab zwar eine zarte, zerbrechliche Maria, aber auch sie hatte offenbar wenig Tanztraining genossen und so sahen die beiden gegenüber dem Ensemble ziemlich linkisch aus. Die Rolle der Anita war hingegen mit der temperamentvollen Lana Gordon bestens besetzt.
Mehr Drive hätte man sich auch vom Orchester unter der Leitung von Donald Chan gewünscht, bei dem ein frischer Blick auf die Partitur fehlte.
Dennoch: Auch wenn die hohen Erwartungen nicht erfüllt wurden, ist den Produzenten und dem künstlerischen Team ein sehenswertes und unterhaltsames und für eine Tourneeproduktion niveauvolles Revival gelungen.

Edith Wolf Perez

Online am: 02.11.2007, © www.tanz.at